Die globalen Geschäfte mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) in der IT-Branche sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Besonders auffällig ist dieser Trend in den USA, dem wichtigsten Markt für etablierte IT-Riesen, aber auch für Internet-Startups. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf Basis der Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk.

Die US-Technologiekonzerne Apple, Google, Facebook und Amazon verleiben sich immer weiter Unternehmen ein.
Die US-Technologiekonzerne Apple, Google, Facebook und Amazon verleiben sich immer weiter Unternehmen ein.

Seit dem Jahr 2011 ging in den Vereinigten Staaten die Zahl der Transaktionen kontinuierlich von Jahr zu Jahr zurück und lag 2015 nur noch bei 521, ein Rückgang von 61 Prozent im Vergleich zu 2011. Auch das Transaktionsvolumen ist mit Ausnahmen in den Jahren 2012 und 2014 entsprechend rückläufig. Im Jahr 2015 lag es bei lediglich 20,48 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen niedrigen Niveau wie im Krisenjahr 2009. Die hohen Transaktionsvolumina in den Jahren 2012 und 2014 waren lediglich getrieben von einzelnen großen Transaktionen, wie der Übernahme des Nachrichtensofortdienstes Whatsapp durch den US-Internetgiganten Facebook, die alleine mit 15 Milliarden Euro bewertet wurde.

"Die beobachtete negative Tendenz am US-M&A-Markt könnte mit einer neuen Skepsis gegenüber jungen IT-Startups zusammenhängen", erklärt Niklas Dürr, Wissenschaftler in der ZEW-Forschungsgruppe "Wettbewerb und Regulierung". Zahlreiche junge Unternehmen sähen sich zunehmend mit starken Wettbewerbern konfrontiert und könnten oft die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. "Vielen Startups fällt es schwer, die Gewinnschwelle zu überschreiten und schwarze Zahlen zu schreiben", sagt Dürr.

Hinzu kommt, dass mehrere junge Unternehmen mit Sitz im US-amerikanischen Silicon Valley, die extrem hoch bewertet sind, sich großen Herausforderungen gegenüber sehen. Bestes Beispiel ist hierfür derzeit der auf 70 Milliarden Dollar geschätzte Mobilitätsdienstleister Uber, der sich jüngst aus dem Chinageschäft zurückziehen musste. „Angesichts solch ernüchternder Meldungen sorgen sich Investoren in der Branche wieder, Unternehmen könnten zu hoch bewertet sein“, so Niklas Dürr. "Die Furcht vor dem Platzen einer Blase wächst, was bei Investoren wiederum zu Zurückhaltung beim Zukauf neuer Unternehmen führt."

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Niklas Dürr, Telefon 0621/1235-368, E-Mail duerr@zew.de