ZEW-Ökonom Guido Neidhöfer: Integration gelingt mit Kitas besser

Kommentar

Ortszuteilung sollte ukrainischen Familien Chance auf Kinderbetreuung geben

Europa zeigt sich im Ukraine-Krieg geschlossen und solidarisch mit den Flüchtenden. In Deutschland gelingt ihre Aufnahme schnell und unbürokratisch. Bei allen offenen Fragen ist jedoch nicht absehbar, wie lange sie Schutz bedürfen werden. Im Falle, dass sie nicht so bald in ihre zerstörte Heimat zurückkehren können, sind Strategien für eine erfolgreiche Integration notwendig. Studien des ZEW Mannheim belegen, dass die Integration noch kleiner Kinder besonders hilfreich für die der gesamten Familie sein kann. Hierzu erklärt Guido Neidhöfer, Wissenschaftler am ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Personalmanagement“:

„Es kommt jetzt darauf an, möglichst rasch Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten für die jüngsten Geflüchteten bereitzustellen. Kitas und andere Einrichtungen beschleunigen die Eingliederung. Diesen Zusammenhang sollte die Politik bei einer auf uns zukommenden Zuteilung der ukrainischen Familien innerhalb Deutschlands von Anfang an berücksichtigen und sie in Orte bringen, wo es möglich ist, schnell einen Kita-Platz zu bekommen. In einem zweiten Schritt ist es wichtig, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ausreichend auszustatten und dabei die Mütter früh miteinzubeziehen. Unsere Forschungen am ZEW Mannheim zeigen: Mütter mit kleinen Kindern, die wegen des Krieges in Syrien im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland geflüchtet sind und Kommunen zugeteilt wurden, in denen es wahrscheinlicher ist, möglichst früh nach Ankunft einen Kindergarten-Platz zu bekommen, haben deutlich bessere Sprachkenntnisse und schätzen ihre künftige Arbeitsmarktintegration deutlich positiver ein, als geflüchtete Mütter in Orten, in denen es kaum Bildungs- und Betreuungskapazitäten für ihre Kinder gibt. Besonders stark ist der Effekt bei alleinerziehenden oder allein geflüchteten Müttern, obwohl hier auch Mütter in Familien profitierten, in denen der Vater im selben Haushalt wohnt. Der Königsteiner Schlüssel sowie weitere lokal verwendete Zuteilungsmechanismen berücksichtigen diese Faktoren und Dimensionen bei der Verteilung von Geflüchteten aber in der Regel noch nicht in ausreichendem Maße.“