ZEW leistet Beitrag zur Energie-Debatte beim zweiten BMBF-Forum Klimaökonomie in Berlin

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Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) war Mit-Organisator des zweiten Forums Klimaökonomie am 13. April 2015 in Berlin. Die Veranstaltung ist Teil des Förderschwerpunkts Ökonomie des Klimawandels im Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Unter dem Titel "Energie, Wirtschaft und Klima im Wettbewerb?" diskutierten Wissenschaftler und Praktiker über die Energie- und Klimapolitiken Deutschlands und der EU und deren Auswirkungen auf die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Rund 70 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besuchten die Veranstaltung.

In seiner Keynote machte ZEW Research Associate Prof. Dr. Andreas Löschel (Universität Münster) den engen Zusammenhang zwischen der Energie- und Klimapolitik auf EU-Ebene und der deutschen Energiewende deutlich.Im 2020-Rahmen haben sich die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 2020 ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen und einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch zu erreichen. Ausgehend von diesen 20-20-20-Zielen könne Prof. Löschel zufolge die deutsche Energiewende nur im europäischen Kontext gelingen. Die enge Verzahnung der unterschiedlichen politischen Ebenen und die verschiedenen Auswirkungen von energiepolitischen Maßnahmen führten dazu, dass Energie, Wirtschaft und Klima tatsächlich im Wettbewerb zueinander stünden. Dennoch seien die bisherigen Belastungen der europäischen und deutschen Energie?und Klimapolitik für einen Großteil der Unternehmen noch tragbar. Damit unterstrich er die Wichtigkeit eines bindenden internationalen Abkommens, nicht zuletzt auch für die deutsche Energiewende. Es sei wichtig, dass die Ambitionen Deutschlands und der EU nicht auseinanderdriften.

Christoph Bals (Germanwatch e.V.) stellte im anschließenden Kurzvortrag den Ausbau der erneuerbaren Energien und die steigende Energieeffizienz als Problemlöser für die zuvor angerissene Wettbewerbssituation von Klimapolitik und Wirtschaft dar. Ein Erfolgsbeispiel sei das deutsche Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG), das durch die enorme Verbilligung von Photovoltaikanlagen weltweit zum Ausbau der Solarenergie beigetragen habe. Durch solche Selbstversorgung mit Energie würde die Energiesicherheit in Europa erhöht und zugleich ökonomischer Zusatznutzen ermöglicht, die deutsche Energiewende sei somit ein EU-Projekt. Grüne Investitionen seien zudem ein wichtiger Lösungsweg, da sie gleichzeitig einen Beitrag zur Lösung der Wirtschaftskrise in Europa leisteten. Auf diese Art könne Klimapolitik sogar zum Wirtschaftswachstum beitragen, statt mit der Wirtschaft in Wettbewerb zu stehen.

Anschließend wurden in vier Arbeitsgruppen zu ausgewählten Themenschwerpunkten im Licht aktueller Projektergebnisse diskutiert. Ein Gruppe diskutierte unter der Leitung von Prof. Dr. Karen Pittel (ifo Institut, LMU München) die Rolle fossiler Energieträger in der europäischen Energie- und Klimapolitik. In der Arbeitsgruppe von Dr. Johann Wackerbauer (ifo Institut) wurde die Integration der europäischen Energiemärkte beleuchtet. Als drittes Thema wurde der Zielkonflikt von Klimaverträglichkeit und Wettbewerbsfähigkeit erörtert, moderiert von Dr. Klaus Rennings (ZEW). Dr. Katrin Sommerfeld (ZEW) betrachtete mit der vierten Gruppe die Akzeptanz von klimaschützenden Technologien.

Eine Podiumsdiskussion zur deutschen und europäische Energie- und Klimapolitik bildete den Abschluss des Forums Klimaökonomie. Auf dem Podium diskutierten Ingmar Jürgens (Europäische Kommission, Vertretung Deutschland), Dr. Carsten Rolle (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.), Christoph Bals (Germanwatch e.V.) und Prof. Dr. Andreas Löschel (ZEW, Universität Münster). Einigkeit bestand auf dem Panel darüber, dass die Energie-Union stärker in Richtung einer Klima- und Energieunion (Bals) entwickelt werden müsste. Unterschiedliche Akzente wurden bezüglich der energie- und klimapolitischen Zielsetzung gesetzt. Während Prof. Löschel und Dr. Rolle für eine Priorisierung des CO2-Ziels eintraten, sind für Bals Ziele wie Energieeffizienz und erneuerbare Energien gleichrangig zu verfolgen.

Die Veranstaltung war das zweite von insgesamt vier Foren des Dialogs zur Klimaökonomie, die verbleibenden zwei Klimaforen finden am 4. Mai und am 22. Juni 2015 in Berlin statt. Das ZEW ist mit folgenden drei Projekten in den vier unterschiedlichen Themenschwerpunkten und dazugehörigen Veranstaltungen vertreten:

  1. CliPoN - Klimapolitik und die Wachstumsmuster der Nationen
  2. Eval-MAP - Etablierung eines Haushaltspanels zur Evaluation von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen
  3. VolFair - Die Bedeutung freiwilliger Beiträge und von Fairnesspräferenzen für den Erfolg internationaler Klimapolitik: Eine theoretische und empirische Analyse auf Individualebene