Innovative junge Unternehmen in den Beschaffungsmarkt holen: das Potenzial kriterienbasierter Vergaben
ZEW policy brief Nr. 26-12 // 2026Die Stärkung privater Innovationsaktivität gilt als zentrale Voraussetzung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas. Öffentliche Beschaffung ist dafür ein bislang unterschätztes Instrument: Mit rund 18 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts ist sie eines der volumenstärksten nachfrageseitigen Instrumente staatlicher Innovationspolitik. Junge Unternehmen können von erfolgreichen Bewerbungen in zweifacher Weise profitieren, durch gesicherte Anfangsnachfrage und durch ein Qualitätssignal gegenüber Kunden und Kapitalgebern. Eine neue wissenschaftliche Studie auf Basis von 4.260 jungen deutschen Unternehmen im Alter von maximal sieben Jahren zeigt, dass sich seit ihrer Gründung 16,3 Prozent junger Unternehmen mindestens einmal auf eine öffentliche Ausschreibung beworben haben, wobei 10,4 Prozent mindestens einen Zuschlag erhielten. Die Studie demonstriert zudem, dass der Innovationsbezug des Instruments eng mit der Ausgestaltung der einzelnen Ausschreibung zusammenhängt. Vergaben ohne zusätzliche Kriterien über den Preis hinaus zeigen keinerlei Zusammenhang mit den Innovationsmerkmalen junger Unternehmen, sondern sind ausschließlich mit Indikatoren der Ressourcenstärke assoziiert. Kriterienbasierte Vergaben mit zusätzlichen Qualitäts-, Umwelt- oder Innovationskriterien sind dagegen mit einer häufigeren Bewerbung und einem häufigeren Zuschlag innovationsorientierter junger Unternehmen verknüpft. Sie können in der bestehen den Vergabepraxis ein Zugangsweg sein, über den junge Unternehmen mit Innovationsprofil den Beschaffungsmarkt erreichen.