Klimaschutz und Protektionismus: Warum das Design von CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen wichtig ist

ZEW policy brief Nr. 10-06 // 2026
ZEW policy brief Nr. 10-06 // 2026

Klimaschutz und Protektionismus: Warum das Design von CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen wichtig ist

CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen (Border Carbon Adjustments, BCAs) werden zu einem zentralen Instrument der klimaorientierten Handelspolitik, um Carbon Leakage zu begrenzen und zugleich die heimische Industrie zu schützen. Ihre Wirkung hängt jedoch grundlegend vom Design ab. Dieser policy brief vergleicht mengenbasierte BCAs wie den CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU (EU-CBAM), die die gesamten im Produkt enthaltenen Emissionen bepreisen, mit benchmarkbasierten Vorschlägen, die nur Emissionen oberhalb eines Intensitätsbenchmarks bepreisen. Auf Basis neuer Forschung zur globalen Stahlindustrie zeigen wir, dass ein benchmarkbasiertes BCA eine Emissionsabgabe mit einer impliziten Outputsubvention verbindet. Das schwächt das CO2-Preissignal, fördert die Umlenkung saubererer Produktion in regulierte Märkte und kann über unterbepreiste Vorprodukte wie Roheisen vertikale Emissionsverlagerung auslösen. In einem EU-ähnlichen Umfeld mit inländischer CO2-Bepreisung übermittelt das benchmarkbasierte Design nur 36 Prozent des mengenbasierten Grenzpreises, der dieselbe globale Emissionsminderung erzielen würde. In einem US-ähnlichen Umfeld ohne inländischen Preisanker wirkt es weniger als Klimainstrument denn als Industrietarif, der Knappheitsrenten zugunsten inländischer nachgelagerter Industrien verschiebt.

Park, Eunseong, Sebastian Rausch und Valerie Karplus (2026), Klimaschutz und Protektionismus: Warum das Design von CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen wichtig ist, ZEW policy brief Nr. 10-06, Mannheim