Im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung wird der Außenhandel immer stärker durch Offshoring-Aktivitäten charakterisiert. Damit gehen wichtige neue Effekte auf dem Arbeitsmarkt einher. Insbesondere wird in einer aufstrebenden Literatur untersucht, ob es der genaue Tätigkeitsinhalt eines Berufes ist, welcher die Verlagerungskosten und damit die Auslagerungsentscheidung bestimmt. Diese durch Arbeitsinhalte bestimmten Kosten sind nicht notwendigerweise über die klassische Unterscheidung zwischen hoch- und niedrigqualifizierten Arbeitnehmern in den jeweiligen Berufen abbildbar. In diesem Papier wird die obige Hypothese einer durch Offshoring sinkenden relativen Nachfrage nach routinebasierten und nicht-interaktiven Tätigkeiten getestet und somit das Problem der relativen Arbeitsnachfrage aus einer “Task-Perspektive” beleuchtet.

Zunächst wird ein theoretisches Modell entwickelt, welches die Grundlage für spätere Schätzungen liefert. Dieses Modell betrachte Berufe explizit als Bündel von Tätigkeiten, welche als Ganzes der Auslagerungsentscheidung zu Grunde liegen. Dieser Ansatz stellt einen Bruch mit vergangener Modellierung dar, welche nahezu ausschließlich auf bildungsbasierte und in der Reallokation völig freie Faktoren setzte. Das Modell führt einen Mechanismus der optimalen Berufswahl ein, welcher auf einer individuellen Optimierungsentscheidung hinsichtlich der für eine Arbeit notwendigen Anstrengung basiert. Im Modell führt ein Rückgang der allgemeinen Kosten für Offshoring dazu, dass manche Berufe verlagert werden und sich die entsprechenden Arbeitnehmer neu “einsortieren”. Da komplexere Tätigkeiten weniger leicht auslagerbar sind, werden durch verstärktes Offshoring in einem neuen Gleichgewicht relativ mehr Menschen in Berufen mit einem höheren Anteil an komplexeren Tätigkeiten beschäftigt sein als vorher.

Anschließend werden die theoretischen Hypothesen einer ökonometrischen Untersuchung unterzogen. Für ein Panel verschiedener Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland zeigt sich zwischen 1998 und 2007 ein klares und robustes Resultat: Offshoring führt zu einem Rückgang der Nachfrage nach routinebasierten und nicht-interaktien Tätigkeiten auf Sektorebene. Ein besonders starker Effekt zeigt sich, wenn Offshoring in nicht-OECD Länder betrachtet wird. Dieser Rückgang ist stark durch eine Reallokation von Berufen getrieben. Insgesamt kann der beobachtete Anstieg des Offshoring bis zu 24% der gemessenen aggregierten Tätigkeitsverschiebung abbilden. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass auch bei Berücksichtigung von Qualifikationsniveaus innerhalb der Sektoren eine Reduktion der relativen Arbeitsnachfrage nach einfachen Tätigkeiten zu beobachten ist. Zudem erweisen sich die Resultate robust gegenüber eines Instrumenten-Schätzansatzes. Es scheint als sei die “Task-Perspektive” eine neue und wichtige Dimension in der Heterogenität der Effekte von Globalisierung in modernen Arbeitsmärkten.

Hogrefe, Jan (2013), Offshoring and Relative Labor Demand from a Task Perspective, ZEW Discussion Paper No. 13-067, Mannheim. Download

Schlagworte

Trade, Offshoring, Tasks, Relative Labor Demand