Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von subjektiven Kontrollüberzeugungen für Bildungsentscheidungen und den Lohn. Nach dem Konzept von Rotter (1966) messen Kontrollüberzeugungen, ob Individuen im Allgemeinen eher von einem Ursache Wirkungszusammenhang im Handeln ausgehen, oder ob sie das Geschehen eher als von Glück oder Schicksal bestimmt ansehen. Bei stärker ausgeprägten Kontrollüberzeugungen dominieren Ursache-Wirkungszusammenhänge, bei schwächer ausgeprägten Kontrollüberzeugungen dominiert die Schicksalsvorstellung. Die Studie zeigt erstens, dass eine stärkere Ausprägung von Kontrollüberzeugungen mit höheren Löhnen verbunden ist. Zweitens kommt die Analyse zum Schluss, dass dies nicht in erster Linie auf eine höhere direkte Produktivität am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Vielmehr ist der höhere Lohn ein Ergebnis der höheren Bildung der Erwerbstätigen mit stärker ausgeprägten Kontrollüberzeugungen. Die der Analyse zugrunde gelegten Daten entstammen Stichproben aus dem Sozio- Oekonomischen Panel (SOEP). Mit Faktorstrukturmodellen und bayesianischen Methoden werden die in der Literatur zwar häufig diskutierten, aber selten untersuchten Messfehler und Endogenitätsprobleme angegangen. Statt die subjektiven Kontrollüberzeugungen selbst zu verwenden, werden Faktorstrukturmodelle eingesetzt, die den Gehalt der subjektiven Angaben in allen zehn Antworten auf den statistischen Kern kondensieren. Um sowohl eine potentielle umgekehrte Kausalität als auch eine Scheinkorrelation ausschließen zu können, werden unterschiedliche Teile der Wahrscheinlichkeitsfunktion aus einer Stichprobe Siebzehnjähriger mit den Arbeitsmarktergebnissen junger Erwachsener kombiniert. Mit diesem Verfahren gelingt es, das Problem der zensierten Lebenszyklen statistisch zu lösen. Der unverzerrte Einfluss der Kontrollüberzeugungen, die das Individuum vor dem Eintritt in das Erwerbsleben hatte, wird extrahiert. Ziel ist es, den Effekt, der noch nicht durch vorangegangene Arbeitsmarkterlebnisse verzerrt ist, abzuschätzen. Dies wird mit der Verbindung der beiden Stichproben erreicht. Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass die höheren Löhne von Erwerbstätigen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren mit besser ausgeprägten Kontrollüberzeugungen letztlich auf eine bessere Bildung zurückzuführen sind. Jugendliche, die im Alter von siebzehn Jahren besser ausgeprägte Kontrollüberzeugungen haben, haben auch eine qualitativ bessere Bildung. Wenn dieser Zusammenhang kontrolliert wird, tendiert der direkte Einfluss der Kontrollüberzeugungen auf den Lohn gegen Null. Methodisch zeigen unsere Ergebnisse, dass psychometrische Maße eine wertvolle Ergänzung zu den sozio-ökonomischen Variablen sind, da sie wichtige Erklärungsbeiträge für die Bildungsentscheidungen und das Arbeitsmarktgeschehen leisten.

Autoren

Piatek, Rémi
Pinger, Pia

Schlagworte

locus of control, wages, latent factor model, data set combination