Obwohl in den letzten Jahren die Bildungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen gesunken sind, haben Jungen am Ende der Grundschule einen erheblichen Vorsprung in Mathematik. Dies hat langfristige Konsequenzen für die Studienwahl von Mädchen und somit auf die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte im MINT Bereich. Obwohl in der US-Literatur verschiedene mögliche Erklärungsfaktoren für den Leistungsunterschied zwischen Jungen und Mädchen in Mathematik untersucht wurden, bleibt die Leistungslücke in Mathematik bisher größtenteils unerklärt. Kulturelle und soziologische Faktoren scheinen aber wichtige Determinanten der Leistungslücke zu sein, da sie nur in bestimmten Bevölkerungsgruppen und Ländern besteht. Diese Studie liefert Evidenz zum Ursprung der mathematischen Leistungslücke zwischen Mädchen und Jungen auf Grundlage der erweiterten PISA Daten für Deutschland. Zunächst wird der Effekt des Anteils der Mathematik-Lehrerinnen an allen Mathematik-Lehrern in der Sekundarschule auf die Leistungslücke analysiert. Es wird häufig behauptet, dass Schüler eine bessere Leistung erbringen, wenn sie von Lehrern des gleichen Geschlechts unterrichtet werden. Die bestehende Evidenz dazu ist jedoch nicht eindeutig. Ein höherer Anteil an Mathematik-Lehrerinnen könnte ein positives Vorbild für Mädchen darstellen. Außerdem könnten die Lehrerinnen didaktische Methoden anwenden, die für Mädchen besser geeignet sind, oder sie könnten größere Erwartungen an die mathematische Leistung von Mädchen haben als männliche Lehrer. Darüber hinaus wird in einen nächsten Schritt untersucht, wie Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen beim Selbstvertrauen und bei der extrinsischen Motivation in Bezug auf Mathematik mit der Leistunglücke zusammenhängen. Obwohl Mädchen im Durchschnitt mehr Bücher zuhause haben, öfter das Gymnasium besuchen und länger in den Kindergarten gehen, ergibt sich, dass sie weniger an ihre Leistungsfähigkeit glauben als Jungen. Darüber hinaus glauben Jungen öfter, dass sie Mathematik in ihrem zukünftigen Beruf brauchen werden. Es wird kein Effekt des Anteils der Lehrerinnen auf die Leistungslücke gefunden. Eine Erhöhung des Anteils der Mathematik-Lehrerinnen in der Sekundarschule scheint also keine effektive Lösung um die Leistungsunterschiede zu verringern. Im Unterschied zu diesem ersten Ergebnis scheinen das geringere Selbstvertrauen und die extrinsische Motivation bezüglich Mathematik bei Mädchen zur Erklärung der Leistungslücke beizutragen. Um die Relevanz der geschlechtsspezifischen Wahrnehmung des Fachs Mathematik weiter zu untersuchen, ist in Zukunft die Zusammenarbeit mit Psychologen erforderlich.

Schlagworte

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