Zwischen Januar 1995 und Dezember 1996 wurde im Forschungsbereich Umwelt-, Ressourcenökonomik, Logistik des ZEW an einem Forschungsprojekt über den internationalen Agrarhandel gearbeitet. Im Mittelpunkt der Arbeit standen die Zusammenhänge zwischen Handel und Entwicklung und deren Rolle innerhalb von Nachhaltigkeitsstrategien.

Um methodische Klarheit bei der Behandlung des Themas zu schaffen wurden zuerst Grundbegriffe im Zusammenhang mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung definiert. Zur Systematisierung des Zusammenhangs zwischen Ökonomie und Ökologie wurde das Konzept der Ökologischen Ökonomie herangezogen. Das Ziel einer "langfristigen, nachhaltigen Entwicklung" wurde anhand von zwei Parametern definiert: a) die ökonomische Wohlfahrt, die im Hinblick auf die spezifischen Ziele der Studie an der Ernährungssicherheit gemessen wird, und b) die ökologische Nachhaltigkeit, die an der Artenvielfalt und an der Qualität der Ökosysteme "Boden" und "Wasser" gemessen wird. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Wechselwirkungen zwischen den Stofffluß- bzw. den Bestandsveränderungen in den Teilbereichen des Ökosystems einerseits und der Ernährungssicherheit einer wachsenden Bevölkerung andererseits. Im Bewertungsmodell bildete die Interdependenz beider Teilziele die eigentliche Bewertungsgrundlage. Um eine integrierte Analysenmethode von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten zu entwickeln, hat die Projektgruppe die internationalen Handelsströme als kombinierte Stoff- und Geldströme aufgefaßt. Eine steigende Nachfrage nach inländischen Nahrungsmitteln übt Druck auf die Umwelt aus, insbesondere auf Ökosysteme in naturnahem Zustand und so auch auf Boden und Wasser. Werden diese Ökosysteme übermäßig beansprucht, wird es langfristig keine autarke nationale Ernährungssicherheit geben und der Nahrungsmittelbedarf muß durch importierten Waren gedeckt werden. Die Nahrungsmittelversorgung kann jedoch durch Agrarimporte nur dann abgesichert werden, wenn die dafür notwendigen Devisen erwirtschaftet werden, weshalb Entwicklungländer, die cash crops für die Erwirtschaftung von Devisen exportieren, bei unveränderten Rahmenbedingungen vermutlich unter dem Druck stehen, ihre Agrarproduktion zu steigern. Durch die intensive Nutzung der Umweltgüter Wasser und Boden und die Ausdehnung der Agrarflächen steigen gleichzeitig aber auch die Produktionsgrenzkosten: Verluste der Agrarproduktivität aufgrund von Qualitätsverlusten des Ökosystems können zum Teil durch eine (kostenintensive) Erhöhung der energetischen und stofflichen Inputs (z.B. Agrochemikalien) kompensiert werden, die oft importiert werden und einen steigenden Anteil der Devisenausgaben ausmachen. Damit werden diese Länder zur weiteren Steigerung der "cash crops" Produktion angereizt.

Der Zusammenhang zwischen Entwicklung und Handel wurde anhand eines konkreten Fallbeispiels (Bananenhandel) dargestellt. Nach einer Analyse der rechtlichen Rahmen des internationalen Handels mit Bananen und insbesondere der Gemeinsamen Marktordnung für Bananen der EU, wurden alternative Produktionsverfahren in der Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf die inländische Nahrungsmittelproduktion und auf die Devisenbilanz (Produktion von cash crops) kurz dargestellt. Ein Überblick über die ökologischen und sozialen Kosten der exportorientierten Bananenproduktion in Lateinamerika zeigte, daß die heute angewandten Agrartechniken erhebliche Umweltschäden verursachen. Da der Export von Bananen eine wichtige Deviseneinnahmequelle für die Exportländer ist, mußte es in ihrem langfristigen Interesse liegen, eine Verschlechterung der Produktionsbedingungen für die Exportgüter zu vermeiden. Die bestehenden Rahmenbedingungen im internationalen Handel bieten jedoch kaum Anreize für eine ökologisch nachhaltige Bananenproduktion. Auf diesem Hintergrund wurde die Rolle von internationalen handelspolitischen Maßnahmen (Novellierung der EU-Bananenmarktordnung, Einbeziehung von Umwelt- und Sozialklauseln in GATT/WTO) bezüglich der Durchsetzung nachhaltiger Entwicklungsstrategien diskutiert.