Die Vergabeverfahren von Studienplätzen sind international höchst unterschiedlich ausgestaltet. Zukünftige Studierende in den USA als auch Bewerber um ein Masterstudium in Grobritannien bewerben sich direkt bei ihren präferierten Universitäten. Bachelorstudienplätze in Großbritannien hingegen werden entsprechend der Präferenzlisten der Studenten zentral über die Vergabestelle "UCAS" (University & Colleges Admission Service) zugeteilt. In Deutschland wiederum ist die Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS, heute: Stiftung für Hochschulzulassung) nur für die Zulassung in Fächern mit knapper Platzzahl zuständig. Aufgrund dieser sehr heterogenen Vergabeverfahren ist es naheliegend zu fragen: Ist die zentrale oder die dezentrale Vergabe von Studienplätzen besser für eine gute Passung zwischen Studenten und Universitäten?

Zur Untersuchung dieser Fragestellung bietet sich die Dezentralisierung der Studienplatzvergabe im Bereich der Rechtswissenschaften als natürliches Experiment an. 2002 wurde für dieses Fach das ZVS Verfahren eingestellt und die Platzvergabe direkt an die Universitäten übertragen. Mit den administrativen Daten der Studentenstatistik und unter Verwendung eines Di fferenzen-in-Diff erenzen Ansatzes wird so die Effizienz und Qualität der Passung im zentralen und dezentralen Prozess verglichen. Dafür kommen die Indikatoren (i) Anzahl der Erstsemester, (ii) Anzahl der nichtvergebenen Studienplätze sowie (iii) die Abbrecherrate zum Einsatz.

Die Dezentralisierung der Platzvergabe wurde mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen in allen deutschen Bundesländern umgesetzt. Somit kann die Entwicklung der Passungsindikatoren über die Zeit zwischen den Fakultäten inner- und außerhalb Nordrhein-Westfalens zur Beurteilung der verschiedenen Vergabeverfahren genutzt werden. Als eine zweite Kontrollgruppe zu den rechtswissenschaftlichen Fakultäten werden die medizinischen Fakultäten herangezogen, da für diese der Zugang bis heute zentral über die ZVS geregelt wird. Wichtig ist, dass die Dezentralisierung zum einen die Abscha ffung des zentralen Vergabeverfahrens zum anderen aber auch die Abschaff ung jeglicher Zugangsbeschränkungen umfassen kann. Die Studie betrachtet daher beide Wirkungskanäle auch separat.

Die Ergebnisse zeigen in Folge der Dezentralisierung eine steigende Zahl an Erstsemestern sowie eine abnehmende Zahl an off enen Studienplätzen in den Rechtswissenschaften. Diese Verbesserung in der Effizienz der Passung ist jedoch vor allem durch die Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen getrieben. Die Resultate bezüglich der Abbrecherrate zeigen hingegen keinen signi kanten E ffekt auf die Qualität der Passung. Ein Vergleich der Fakultäten mit und ohne Abschaffung der Zulassungsbeschränkungen lässt jedoch vermuten, dass Universitäten, die ihre Zulassungsbeschränkungen fallen gelassen haben, nach der Dezentralisierung eine höhere Abbrecherrate aufweisen.