Führungskräfte deutscher Unternehmen in China beurteilen die konjunkturelle Entwicklung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wieder optimistischer: Die aktuelle chinesische Wirtschaftslage bewerten sie nach vier Quartalen in Folge erstmals wieder leicht positiv. Zwar schätzen die Befragten die Wahrscheinlichkeit einer konjunkturellen Abkühlung in den kommenden zwölf Monaten mit 33 Prozent weiterhin relativ hoch ein. Zuletzt hielten die Manager eine Verschlechterung jedoch mit 53 Prozent für deutlich wahrscheinlicher.

Eine Verbesserung der Konjunkturdynamik erwarten sie mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 25 Prozent, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorquartal (12 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kommt das aktuelle ZEW-PwC-Wirtschaftsbarometer China des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und PricewaterhouseCoopers (PwC), für das 47 Führungskräfte deutscher Unternehmen in China befragt wurden. "Die Stimmung mit Blick auf Chinas Wirtschaft hat sich verbessert", kommentiert Thomas Heck, Partner und China-Experte bei PwC. "Mit den jüngsten Übernahmen ausländischer Unternehmen hat das Land gezeigt, dass es die Modernisierung seiner Wirtschaft mit Nachdruck vorantreibt und bereit ist, die nötigen Investitionen zu tätigen."

Deutsche Unternehmen bleiben attraktives Übernahmeziel

Für die nächsten sechs Monate erwarten die befragten Manager, dass chinesische Unternehmen ihre Zukäufe im Ausland noch deutlich ausweiten werden. Der entsprechende Indikator stieg von 56,6 Punkten im ersten Quartal auf jetzt 66,7 Punkte. Deutschland wird laut Einschätzung der Befragten als Zielland noch attraktiver werden – einen Rückgang der chinesischen Aktivitäten hierzulande erwartet keiner der Befragten. Mit Blick auf die Investitionen innerhalb Chinas rechnen die befragten Manager in den kommenden sechs Monaten insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnik, im Dienstleistungssektor und in der Konsumgüterbranche mit mehr Aktivität. "Die Prognosen für den Bausektor sowie für die Stahl- und Metallindustrie sind hingegen nach wie vor düster", erläutert Dr. Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Für diese Branchen erwarten die Experten weiterhin einen deutlichen Rückgang der Investitionstätigkeit." Eine Trendwende sehen die deutschen Führungskräfte in den Bereichen Elektronik, Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Chemie. Für diese vier Branchen überwiegen nun die positiven Investitionserwartungen.

China mit großem Vorsprung bei mobilen Bezahlsystemen

Unterschiede zwischen China und Deutschland erkennen die befragten Manager bei der Akzeptanz mobiler Bezahlsysteme: Ausnahmslos alle befragten Manager sind der Meinung, dass der Entwicklungsstand mobiler Bezahlsysteme in China weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. 63 Prozent sehen sogar einen großen Vorsprung zugunsten Chinas. Knapp die Hälfte der befragten Manager (47 Prozent) ist der Ansicht, dass die Bereitschaft deutscher Kunden, mobile Bezahlsysteme zu verwenden, nur gering ausgeprägt ist. Lediglich 14 Prozent gehen davon aus, dass die Akzeptanz mobiler Bezahllösungen in Deutschland hoch ist. "Im Gegensatz zu chinesischen Verbrauchern ist man hierzulande mit Blick auf das mobile Bezahlen eher kritisch eingestellt.  Deutsche Kunden sorgen sich um den Schutz ihrer Daten, insbesondere bei neuen und unbekannten Finanzdienstleistern", erläutert Thomas Heck.

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