Rentenkommission legt Abschlussbericht vor
Termine und NachrichtenZEW-Ökonomin Tabea Bucher-Koenen bringt Expertise zu Alterssicherung und Kapitaldeckung ein
Die Alterssicherungskommission hat heute in Berlin ihren Abschlussbericht an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas übergeben. Als Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission brachte Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“, ihre wissenschaftliche Expertise in den Bereichen Altersvorsorge, Haushaltsfinanzen und Kapitaldeckung ein. Die Kommission erarbeitete Vorschläge für eine langfristig tragfähige Reform der Alterssicherung in Deutschland. Im Mittelpunkt stand die nachhaltige Finanzierung des Rentensystems, die Generationengerechtigkeit und die Sicherung angemessener Alterseinkommen.
„Die Alterssicherung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Der demografische Wandel erhöht den Druck auf die gesetzliche Rentenversicherung. Gleichzeitig müssen die Renten verlässlich bleiben und Altersarmut wirksam verhindert werden. Der Alterssicherungskommission war es deshalb wichtig, ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln, das gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge zusammen denkt“, erklärt Bucher-Koenen. „Unser zentrales Ziel war es, das Rentensystem langfristig zu stabilisieren. Dabei haben wir Rentenhöhe, Beiträge und Belastungen des Bundeshaushalts in den Fokus gestellt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen unter anderem die Lebensarbeitszeit, die Absicherung von Beamten und Selbstständigen, die Vermeidung von Altersarmut und die Stärkung der Kapitaldeckung. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, die Belastungen ausgewogen auf die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu verteilen und einseitige Mehrbelastungen zu vermeiden.“
Nachhaltige Finanzierung bleibt zentrale Aufgabe
In den kommenden Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge zunehmend in den Ruhestand, denen eine sinkende Anzahl (jüngerer) Beitragszahlender gegenübersteht. Gleichzeitig steigt erwartungsmäßig die Lebenserwartung weiter. Damit verschiebt sich das Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenbeziehenden spürbar. Für die Rentenpolitik bedeutet das: Die gesetzliche Rente sollte auch künftig verlässlich bleiben, darf aber weder Beitragszahlende noch öffentliche Haushalte dauerhaft überfordern. „Eine isolierte Debatte über einzelne Stellschrauben greift dabei zu kurz. Deshalb schlagen wir ein gut austariertes Gesamtpaket vor. Wir brauchen eine langfristig ausgerichtete Strukturreform, die gleichzeitig die Interessen der heutigen Rentnerinnen und Rentner sowie die Belastungen der aktuellen und künftigen Erwerbstätigengenerationen berücksichtigt“, erklärt Bucher-Koenen.
Kapitaldeckung in allen Säulen stärken
Die Kommission schlägt unter anderem vor, das Umlagesystem der gesetzlichen Rente durch eine Kapitalrente nach Schwedischem Modell zu stärken. Dafür sollen perspektivisch zwei Beitragssatzpunkte paritätisch finanziert werden und zusätzlich in öffentliche oder private Fonds fließen. „Damit schaffen wir eine Trendwende und Renten können zukünftig wieder deutlich über dem heutigen Niveau liegen“, so Bucher-Koenen.
„Laut unseren Vorausberechnungen könnte der sogenannte Eckrentner im Mittel nach 20 Jahren Ansparzeitraum in der Kapitalrente auf 150 Euro mehr Rente monatlich kommen, nach 45 Jahren sogar auf über 770 Euro mehr. Und selbst bei Krisen wie der letzten großen Finanzmarktkrise läge das Rentenniveau perspektivisch über dem heutigen.“
Vorausberechnungen Kapitalrente
Das ZEW hat unter anderem mit Vorausberechnungen zur Kapitalrente die Diskussionen in der Alterssicherungskommission evidenzbasiert begleitet. Die Zusammenfassung von Methoden und zentralen Ergebnissen finden sich im ZEW-Bericht.
Anmeldung zum Webinar
Am 2. Juli 2026 um 13:00 Uhr diskutiert Tabea Bucher-Koenen im Webinar #ZEWlive mit Constanze Janda, der Vorsitzenden der Alterssicherungskommission und Professorin an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, über die Reformvorschläge. Anmeldungen sind ab sofort möglich.
Über die Alterssicherungskommission
Die Alterssicherungskommission wurde von der Bundesregierung eingesetzt, um Vorschläge für eine langfristig tragfähige Reform der Alterssicherung in Deutschland zu erarbeiten. Sie setzt sich aus Experten/-innen aus Wissenschaft und Politik zusammen. Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen gehört der Kommission als wissenschaftliches Mitglied an. Die Kommission sollte Reformoptionen entwickeln, die die gesetzliche Rente stabilisieren, die ergänzende betriebliche und private Vorsorge berücksichtigen und die Interessen heutiger sowie künftiger Generationen in den Blick nehmen.