Zusammenspiel von Emissionshandel und Stromabgabe

Forschung

Wie wirkt es sich aus, wenn EU-Staaten die Einnahmen aus dem Emissionshandel entweder verwenden, um die Stromabgabe zu senken und so den Einsatz erneuerbarer Energien zu fördern, oder sie pauschal an Verbraucher ausschütten? Eine aktuelle ZEW-Studie gibt wichtige Hinweise.

Um den Klimawandel zu bekämpfen, hat die Europäische Union Zielvorgaben aufgestellt. Mit ihrer Hilfe sollen EU-weit die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen sinken und der Einsatz erneuerbarer Energien steigen.

Der CO2-Ausstoß insbesondere in den energieintensiven Branchen wird über einen EU-weiten Emissionshandel kontrolliert, bei dem ein großer Teil der CO2-Zertifikate per Auktion an die Unternehmen vergeben wird. Mindestens die Hälfte der Einnahmen aus diesen Auktionen, so die EU-Vorgabe, soll für klima- und energiepolitische Zwecke verwendet werden, etwa um die Nutzung erneuerbarer Energien voranzutreiben.

Bei der Förderung erneuerbarer Energien haben die EU-Staaten zwei Möglichkeiten. Die meisten Staaten erheben bei privaten und industriellen Verbrauchern eine Abgabe auf den Elektrizitätsverbrauch („Stromabgabe“), die in den Ausbau erneuerbarer Energien fließt. Andere Staaten, beispielsweise Polen und Finnland, finanzieren die Unterstützung Erneuerbarer hingegen über den allgemeinen Staatshaushalt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen mit Blick auf die Verwendung der Auktionseinnahmen dieser beiden Möglichkeiten zur Förderung erneuerbarer Energien, hat eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim untersucht. Verwendet ein EU-Staat die Einnahmen aus den Auktionen des Emissionshandels, um die Stromabgabe zu senken, profitiert die Wirtschaft stärker, als wenn diese Einnahmen pauschal an die Haushalte weitergegeben werden. Zwar geht bei beiden Möglichkeiten das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zurück, aber der Rückgang ist im ersten Fall etwas weniger stark als im zweiten Fall (minus 0,1 Prozent gegenüber minus 0,2 Prozent).

Die Autoren/-innen der Analyse erklären dies mit der Tatsache, dass die Auktionserlöse nicht nur die Stromabgabe verringern, sondern auch die mit ihr verbundenen wirtschaftlichen Verzerrungen. Die Auswirkungen auf die einzelnen Wirtschaftszweige setzen sich laut ZEW-Studie aus drei Einzeleffekten zusammen. So führt die niedrigere Stromabgabe zunächst bei den privaten und industriellen Stromverbrauchern zu einem höheren Einkommen, da sie bei gleichem Stromverbrauch weniger zahlen müssen. Dies wird ihre Nachfrage nach Strom anregen und in der Folge den Kohlenstoffpreis erhöhen, was wiederum die wirtschaftliche Lage der vom Emissionshandel betroffenen Sektoren beeinträchtigt. Die höhere Nachfrage nach Strom und der niedrigere Strompreis sind mit einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Aktivität verbunden.

Diese Schlussfolgerungen hinsichtlich des Zusammenspiels von Weitergabe der Auktionseinnahmen aus dem Emissionshandel an private und industrielle Stromverbraucher sowie von Unterstützung erneuerbarer Energien sollten politische Entscheidungsträger berücksichtigen. Bei EU-Staaten, die die Förderung erneuerbarer Energien aus dem allgemeinen Staatshaushalt zahlen, hat dies keine Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Nutzen hingegen EU-Staaten eine Stromabgabe zur Förderung von erneuerbaren Energien, profitiert davon wie beschrieben die gesamte Wirtschaft.

Kontakt

Wissenschaftlicher Kontakt Claire Gavard, PhD
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Referentin Online-Kommunikation, Yvonne Bräutigam, MSc
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