Wie Europa mehr wachstumsstarke Unternehmen hervorbringt

ZEW Lunch Debate in Brüssel

ZEW Lunch Debate in Brüssel zur EU-Strategie für Start-ups und Scale-ups

v. l. n. r.: Robin Wauters (European Start-up Network), Prof. Dr. Hanna Hottenrott (ZEW Mannheim), Andreas Schwarz (Kabinettchef der EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva), Ann Mettler (Catalyse Europe), János Allenbach-Ammann (The Capitol Forum)

Im Mittelpunkt der ZEW Lunch Debate am 16. Juni in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU in Brüssel stand die Frage, wie Europa mehr wachstumsstarke Unternehmen hervorbringen und im globalen Wettbewerb bestehen kann. Die Veranstaltung trug den Titel „Supporting Firm Growth in Europe: Evidence and Policy Options for the EU Start-up and Scale-up Agenda“. ZEW-Ökonomin Prof. Dr. Hanna Hottenrott leitete das Panel, in dem über Hindernisse für Wachstum, Unterschiede zwischen europäischen Ökosystemen sowie konkrete wirtschaftspolitische Handlungsoptionen diskutiert wurde. Vor rund 90 Gästen moderierte János Allenbach-Ammann, Senior Correspondent bei The Capitol Forum, die Veranstaltung. Sie wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung des ZEW-Förderkreises.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um eine europäische Start-up- und Scale-up-Strategie sagte Hottenrott, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“: „Es fehlt nicht nur an Kapital, sondern auch an einem integrierten Markt, der Skalierung ermöglicht. Nationale Grenzen wirken in Europa nach wie vor wie Wachstumsbarrieren.“

Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung evidenzbasierter Politik: „Wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen wollen, müssen wir auf Basis empirischer Erkenntnisse verstehen, wo genau die größten Engpässe bei Start-ups und Scale-ups liegen. Diese unterscheiden sich nämlich durchaus zwischen den Ländern.“ 

Wachstumshemmnisse im europäischen Binnenmarkt

In ihrem Impulsvortrag erklärte Hottenrott, dass die Förderpolitik der EU eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Start-ups und insbesondere von Scale-ups spiele. Gezielte Förderinstrumente wie Zuschüsse, Risikokapitalprogramme und innovationspolitische Maßnahmen könnten junge Unternehmen in ihrer Wachstumsphase entscheidend unterstützen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die bürokratischen Hürden der EU nach wie vor eine Herausforderung darstellten. Insgesamt machte sich Hottenrott stark für eine stärker koordinierte und wachstumsorientierte Förderstrategie, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Start-ups nachhaltig zu stärken.

Die Schlüsselanforderung: Mehr privates Kapital und weniger Bürokratie und Regulierung

In der darauffolgenden Diskussion wurde deutlich, dass Europa eine entscheidende Phase seiner Innovationspolitik erreicht hat. Ann Mettler, Präsidentin von Catalyse Europe, ging darauf ein, dass Europa sein Innovationspotenzial stärker ausschöpfen müsse, indem es die Bedingungen für Scale-ups verbessert. Zwar gebe es in vielen Ländern eine solide Start-up-Basis, doch scheitere der Übergang in die Wachstumsphase häufig an strukturellen Hürden. Entscheidend sei, dass Europa mehr privates Kapital mobilisiere, Bürokratie abbaue, öffentliche Instrumente gezielter einsetze und verlässliche Nachfrage nach neuen Technologien schaffe.

Andreas Schwarz, Kabinettchef der EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation, Ekaterina Zaharieva, richtete den Blick auf die Umsetzung politischer Initiativen der Europäischen Kommission. Die EU arbeite intensiv daran, die Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups zu verbessern, beispielsweise durch Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalmarktunion und zur Vereinfachung regulatorischer Anforderungen. Dabei spiele auch die Harmonisierung von Regularien eine zentrale Rolle.

Robin Wauters, COO und Board Member des European Start-up Network, zeigte auf, dass Europa zwar über starke Forschung, gute Talente und viele innovative Start-ups verfüge, jedoch noch zu selten in der Lage sei, diesen Unternehmen langfristig die Skalierung in Europa zu ermöglichen. Die neue Start-up- und Scale-up-Strategie der EU sei deshalb ein wichtiger Schritt, sofern sie nicht bei Ankündigungen stehenbleibe, sondern Fragmentierung im Binnenmarkt abbaue, Bürokratie reduziere und den Zugang zu Wachstumskapital und internationalen Märkten deutlich verbessere. 

Es bestand Einigkeit darüber, dass gezielte Reformen notwendig sind, um Unternehmenswachstum zu fördern und die Fragmentierung des Marktes zu reduzieren, und dass datenbasierte Forschung und politische Praxis eng verzahnt sein sollten, um die europäische Start-up- und Scale-up-Agenda erfolgreich voranzutreiben.

Zur Studie

Begleitend zur Lunch Debate hat das ZEW Mannheim einen Policy Brief veröffentlicht, in dem insbesondere der Übergang von jungen Unternehmen zu wachstumsstarken Scale-ups untersucht wird. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Pressemitteilung.

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