Die im englischsprachigen Mannheim Applied Seminar vorgestellte Arbeit untersucht das Füßebinden – ein inzwischen verbotener alter chinesischer Brauch, bei dem die Füße von Mädchen deformiert wurden – und inwiefern seine Verbreitung mit Veränderungen, die aus einem geschlechtsasymmetrischen sozialen Mobilitätssystem (die chinesische Beamtenprüfung) resultierten, zusammenhängt. Das Prüfungssystem markierte den Übergang von einer Vererbungsaristokratie hin zu einer Meritokratie. Dadurch entstand im Vergleich zu den Frauen ein deutlich heterogeneres Gesellschaftsgefüge unter Männern, was unter den Frauen einen intensiven Wettbewerb auf dem Heiratsmarkt auslöste. Das Füßebinden, das sowohl ästhetische als auch moralische Werte verkörpert, wurde von Frauen – zunächst aus der Oberschicht und später aus der Unterschicht – als voreheliche Investition genutzt. Da das Füßebinden jedoch Arbeiten behindert, die nicht im Sitzen ausgeführt werden können, gibt es ausgeprägte regionale Unterschiede, was die Verbreitung dieses Brauchs betrifft. Während das Füßebinden in Regionen, in denen Frauen auf Haushaltshandwerk spezialisiert waren, weite Verbreitung fand, war der Brauch in Regionen, in denen Frauen vorwiegend arbeitsintensive Landwirtschaft betrieben (z.B. Reisanbau), eher selten. Die aus den staatlichen Bezirksarchiven in China stammenden qualitativen und quantitativen Beweise decken sich dabei mit den theoretischen Prognosen im Paper.  

Rednerin

Lingwei Wu

Universität Bonn

Standort

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Termin

20.11.2019 | 12:00 - 13:30

Veranstaltungsort

ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

L 7, 1 68161 Mannheim

Raum

Straßburg

Einheit
Kategorie

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Leitung und Dean of Graduate Studies