Rente zwischen ökonomischen Realitäten und rechtlichen Grenzen
Veranstaltungen#ZEWlive zur Zukunft der Rente mit Tabea Bucher-Koenen und Constanze Janda
Im #ZEWlive-Webinar „Die Zukunft der Rente: Ökonomische Realitäten und rechtliche Grenzen“ am 2. Juli 2026 diskutierten Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Altersvorsorge und Nachhaltige Finanzmärkte“ und Professorin an der Universität Mannheim, sowie Prof. Dr. Constanze Janda, Rektorin der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und Professorin für Sozialrecht und Verwaltungswissenschaft, über die Reformvorschläge der Alterssicherungskommission. Beide waren Mitglieder der Kommission, Janda leitete sie gemeinsam mit Frank-Jürgen Weise. Moderiert wurde die Veranstaltung von Benjamin Bidder, Wirtschaftsredakteur beim SPIEGEL. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie die Alterssicherung trotz demografischen Wandels finanzierbar bleibt und wie armutsfeste Renten gesichert werden können.
Constanze Janda stellte die Vorschläge der Alterssicherungskommission als „Gesamtkunstwerk“ vor. Die 33 Empfehlungen sollten aus ihrer Sicht nicht einzeln herausgegriffen, sondern im Zusammenhang umgesetzt werden. Zentrale Zielgröße ist eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent nach Steuern für das Gesamtversorgungsniveau. Zur Sicherung des Lebensstandards schlägt die Kommission vor, die Haltelinie nach 2031 nicht fortzusetzen und das sinkende Rentenniveau durch eine gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild zu ergänzen. Diese soll in der ersten Säule angesiedelt, paritätisch finanziert und über individuelle Konten aufgebaut werden. Janda plädierte für die Wiedereinsetzung des Nachhaltigkeitsfaktors, damit Rentenanpassungen auch das Verhältnis von Beitragszahlenden und Leistungsbeziehenden berücksichtigen. Für rentennahe Jahrgänge, die von der Kapitalrente noch nicht ausreichend profitieren können, sieht die Kommission einen Übergangsfaktor vor. Dieser soll als Zuschlag zur Rente wirken und sicherstellen, dass neue Rentenzugänge nicht unter das heutige Rentenniveau fallen.
Tabea Bucher-Koenen ordnete die Vorschläge aus ökonomischer Perspektive ein. Sie verwies darauf, dass Rentenpolitik über lange Zeiträume gedacht werden müsse und kurzfristige Reparaturen nicht ausreichen würden. Beim Beitragssatz sei bereits in den Jahren 2027 und 2028 ein deutlicher Sprung zu erwarten, der auf die demografische Entwicklung zurückgehe. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten diesen kurzfristigen Effekt nicht vollständig verhindern, aber das System langfristig auf einen tragfähigeren Pfad bringen. Ein zentraler Baustein dabei sei die gesetzliche Kapitalrente. Bucher-Koenen erläuterte, dass dafür nicht mit einer starren Renditeannahme gerechnet wurde, sondern mit verschiedenen Anlagehorizonten, Renditepfaden und Krisenszenarien. Auch schwere Finanzmarktphasen wurden einbezogen, um die Risiken realistisch abzubilden. Der Übergangsfaktor sei nach den Berechnungen deutlich günstiger als eine Fortführung der Haltelinie, weil er auf Zugangsrenten begrenzt sei und nur die Lücke schließen müsste, die die Kapitalrente in der Anfangsphase noch nicht füllen kann.
Zukunft der Rente
Die Diskussion machte deutlich, dass die Zukunft der Rente nicht mit einer einzelnen Maßnahme gesichert werden kann. Die Kommission setzt auf ein Paket aus längerer Lebensarbeitszeit, breiterer Finanzierungsbasis, kapitalgedeckter Vorsorge, gezielten Übergangsregeln und besseren Schutzmechanismen für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Für die Reform gilt daher: Sie muss rechtlich belastbar, ökonomisch tragfähig und gesellschaftlich nachvollziehbar sein. Die Alterssicherungskommission hat dafür einen umfassenden Vorschlag geliefert.