Solo-Selbstständigkeit ist insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen eine wichtige Alternative zur abhängigen Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig können Arbeitgeber so den Mindestlohn umgehen: Wer selbstständig ist, muss sich diesen selbst nicht zahlen. Der im Jahr 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat dennoch einen Rückgang der Solo-Selbstständigkeit zur Folge, auch in besonders betroffenen Branchen wie Hausmeister- oder Reparaturdiensten. „Insgesamt werden Arbeitskräfte von den Arbeitgebern also trotz Mindestlohn nicht vermehrt in die Solo-Selbständigkeit gedrängt“, so Moritz Lubczyk, Wissenschaftler im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am ZEW Mannheim.

Der im Jahr 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat einen Rückgang der Solo-Selbstständigkeit zur Folge.
Moritz Lubczyk, Wissenschaftler im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, zu aktuellen Ergebnissen der Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission.

Damit liefert die Studie keine Anhaltspunkte dafür, dass Arbeitgeber ihre Arbeitskräfte in großem Ausmaß zur Selbstständigkeit zwingen, um den Mindestlohn nicht bezahlen zu müssen. Im Gesamtbild zeigt sich, dass die Solo-Selbstständigkeit in Folge der Einführung des Mindestlohns im Branchenvergleich in 2015/16 um 7,4 Prozent zurückgegangen ist. Dies sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des ZEW Mannheim und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Nürnberg im Auftrag der Mindestlohnkommission.

Grafik Branchenvergleich Solo-Selbstständig geführter Unternehmen nach Einführung des Mindestlohns (Zwei Liniengraphen, beide fallend)

„Bereits vor 2015 gab es einen anhaltenden Rückgang der Solo-Selbstständigkeit in Deutschland. Ob der Mindestlohn diesen Trend stoppt, wurde viel diskutiert. Das Gegenteil ist der Fall: Der Mindestlohn scheint den Rückgang der Solo-Selbstständigkeit eher zu verstärken“, betont Mit-Autor Martin Murmann, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und an der Universität Zürich. Sollte man den Mindestlohn daher gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und wachsenden Sorgen von Solo-Selbstständigen weiter ausbauen? „Es gibt einzelne Branchen, insbesondere im Dienstleistungssektor, in denen der Mindestlohn zu erhöhter Solo-Selbstständigkeit geführt hat. Diese Branchen sind besonders von der Corona-Pandemie getroffen worden“, erläutert ZEW Forscherin Simona Murmann und ergänzt: „Daher gilt es in dieser Krisensituation besonnen zu analysieren und Maßnahmen zu kombinieren, die den unterschiedlichen Auswirkungen in verschiedenen Branchen Rechnung tragen.“

Datenbasis Mannheimer Unternehmenspanel (MUP)

Die Studie basiert auf den Daten des am ZEW erhobenen Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) und den darin auf Branchen- und Regionenebene aggregierten Unternehmensdaten. Dabei handelt es sich um die umfangreichste Panel-Unternehmensdatenbank in Deutschland außerhalb der amtlichen Statistik. Die Autoren der Studie messen den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Einführung des Mindestlohns und der Entwicklung der Solo-Selbstständigkeit durch den Vergleich der durchschnittlichen Stundenlöhne in Regionen und Branchen. Sie unterscheiden, ob diese vor der Einführung des Mindestlohns unter oder über dem Mindestlohn lagen. Wer schon vorher einen höheren Stundenlohn hatte, sollte durch den Mindestlohn keine nennenswerten Veränderungen haben, während niedrigere Stundenentgelte automatisch mindestens auf Mindestlohnniveau ansteigen sollten. Durch diese Branchen- und Regionenunterschiede in der effektiven Wirkungsstärke des Mindestlohns lassen sich kausale Effekte im Zeitverlauf messen.

Datum

02.11.2020

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