Jeder abgezogene US-Soldat kostet eine halbe Vollzeitstelle
ForschungStudie von ZEW und Uni Köln zum US-Truppenabzug nach dem Kalten Krieg
Die USA haben angekündigt, ihre Truppenstärke in Deutschland um 5.000 Soldatinnen und Soldaten zu reduzieren. In den 1990er-Jahren wurden nach dem Ende des Kalten Kriegs in rund fünf Jahren ungefähr 200.000 US-Soldaten/-innen aus Deutschland abgezogen. Dieser Truppenabzug wirkte sich negativ auf die regionale Wirtschaft aus, wie eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim und der Universität zu Köln zeigt. Für jeden abgezogenen US-Soldaten/-in ging im Umkreis des jeweiligen Stützpunkts eine halbe Vollzeitstelle verloren.
„Der Truppenabzug war in erster Linie eine sicherheitspolitische Entscheidung, aber er führte auch zu lokalen Wirtschaftsschocks. Die Effekte durch den Truppenabzug gingen weit über direkte Entlassungen an US-Militärbasen hinaus. Rund 61 Prozent der abgebauten Arbeitsplätze betrafen regionale Unternehmen. Wegen der weggefallenen Konsumausgaben der Truppe und ihrer Familien kam es zu starken Umsatzeinbußen. Dieser Schock traf Regionen mit sowieso schon schwächeren Arbeitsmärkten am härtesten“, sagt Jakob Schmidhäuser, Ko-Autor und Forscher in der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“.
Johannes Kochems, Ko-Autor aus dem Exzellenzcluster ECONtribute an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, ergänzt: „Die betroffenen Standorte und deren Nachbargemeinden reagierten auf die Einnahmeausfälle von rund neun Prozent ihrer Haushalte mit Konsolidierungen. Die Gemeinden kürzten ihre öffentlichen Ausgaben und erhöhten die kommunalen Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer. Langfristig pendelten sich die Einnahmerückgänge auf drei Prozent ein. Die Präsenz der US-Truppen war ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die Region. Ihr Abzug hat langanhaltende, negative Auswirkungen auf die öffentlichen Ausgaben in den betroffenen Kommunen.“
Langanhaltende Effekte
Die negativen Effekte auf die Beschäftigung und öffentliche Finanzen bleiben bis heute messbar. Besonders deutlich waren die Folgen für direkt betroffene Beschäftigte. Wer im Zuge einer Kasernenschließung seinen Arbeitsplatz verlor, hatte auch 15 Jahre später noch niedrigere Beschäftigungschancen. Auch ihre Löhne lagen langfristig um rund 9,2 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Beschäftigten. Besonders stark betroffen waren Frauen sowie ältere Arbeitnehmende.
Über die Studie
Für die Studie kombinierten die Forscher neu digitalisierte Daten des US-Verteidigungsministeriums zu Militärstandorten mit administrativen Arbeitsmarktdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie kommunalen Finanzdaten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Auf dieser Grundlage konnten die Autoren die wirtschaftlichen Effekte des Truppenabzugs auf Gemeindeebene schätzen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden in den 1990ern innerhalb von etwa fünf Jahren rund 200.000 US-Soldaten/-innen und damit etwa 80 Prozent der US-Truppe aus Deutschland abgezogen. Die Entscheidungen über Standortschließungen kamen damals für die betroffenen Gemeinden weitgehend überraschend.