Europa muss strukturelle Hürden für Innovation abbauen
KommentarZEW-Ökonomin Hanna Hottenrott zum European Innovation Act (EIA)
Am 9. September berät die Europäische Kommission in ihrer Sitzung des Kollegiums über den European Innovation Act (EIA). Mit dem EIA möchte die Europäische Union die Innovationskraft gezielt stärken und Rahmenbedingungen für Forschung, Technologietransfer und wachstumsorientierte Unternehmen im internationalen Wettbewerb verbessern.
Prof. Dr. Hanna Hottenrott, Leiterin des Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am ZEW Mannheim und Professorin an der Technischen Universität München, erklärt dazu:
„Der European Innovation Act setzt an wichtigen Hürden für Innovation in Europa an. Bürokratische Strukturen und die Fragmentierung des Binnenmarktes erschweren es gerade jungen Unternehmen, aus einer guten Idee einen größeren Markterfolg zu machen. Besonders wichtig ist deshalb der vorgesehene bessere Zugang zu Test-, Forschungs- und Dateninfrastrukturen. In Deep-Tech-Bereichen wie Halbleitern, Biotechnologie, Quantencomputing, Robotik, Energietechnologien oder KI sind Labore, Rechenleistung und Testanlagen oft so teuer, dass Start-ups sie nicht selbst aufbauen können. Ein leichterer Zugang kann Markteintrittsbarrieren senken, Entwicklungszyklen verkürzen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen deutlich stärken.
Ebenso entscheidend sind bessere Bedingungen für die Wachstumsfinanzierung. Ein liquiderer Markt für Wachstumskapital und einfachere Börsengänge würden es europäischen Start-ups erleichtern, international zu expandieren. Die stärkere Rolle von Europäischer Investitionsbank und Europäischem Investitionsfonds ist deshalb zu begrüßen, sofern beide ihre operative Eigenständigkeit behalten. Zugleich sollte der Innovation Act nicht ein weiteres Förderinstrument schaffen, sondern strukturelle Hemmnisse abbauen. Dazu gehört auch eine überzeugende Strategie für Fachkräfte und Qualifizierung.
Eine Chance liegt auch in einer innovationsfreundlicheren öffentlichen Beschaffung. Wenn öffentliche Einrichtungen gezielt innovative Lösungen einkaufen, können sie jungen Unternehmen einen ersten großen Referenzkunden verschaffen und zugleich frühe Nachfrage für neue Technologien schaffen. Damit kann öffentliche Beschaffung helfen, das sogenannte „Valley of Death“ zwischen Forschung und erfolgreicher Kommerzialisierung zu überwinden – und in Bereichen wie grünen Technologien oder Medizintechnik sogar dazu beitragen, neue Märkte entstehen zu lassen.“