Repräsentative ZEW-Befragung unter Unternehmen in Deutschland

Unternehmen in Deutschland blicken überwiegend neutral bis pessimistisch auf die Einführung des digitalen Euros – klar positive Auswirkungen erwartet nur ein verschwindend geringer Teil, zeigt eine ZEW-Befragung.

Bereits 2029 könnte die Europäische Zentralbank (EZB) den digitalen Euro ausgeben, sofern die Gesetzgebungsverfahren zeitnah abgeschlossen werden. Unternehmen in Deutschland blicken überwiegend neutral bis pessimistisch auf die Entwicklungen – klar positive Auswirkungen erwartet nur ein verschwindend geringer Teil. Das zeigt eine repräsentative Befragung von rund 800 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft mit Sitz in Deutschland.

„Die Zurückhaltung kann unter anderem dadurch erklärt werden, dass viele Fragen rund um den digitalen Euro derzeit noch offen sind. Solange die finale Ausgestaltung abstrakt bleibt, sehen sich Unternehmen nicht in der Verantwortung, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Die EZB sollte versuchen, die Vorzüge für Unternehmen deutlicher hervorzuheben. Wenn kein erkennbarer Zusatznutzen für die Unternehmen entsteht, wird eine weitere Zahlungsmöglichkeit, die für Nutzende freiwillig, für Unternehmen aber verpflichtend ist, die Begeisterung für das Projekt nicht erhöhen“, sagt Vincent Rost aus dem ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“.

Überwiegend neutral bis pessimistisch

Mit rund 77 Prozent erwartet die bedeutende Mehrheit der Unternehmen keinerlei Auswirkungen durch den digitalen Euro. Rund 17 Prozent erwarten negative oder eher negative Auswirkungen, während sechs Prozent eher positive Auswirkungen erwarten. Nur ein verschwindend geringer Anteil von 0,7 Prozent erwartet positive Auswirkungen.

„Es ist der EZB bislang nicht gelungen, die Unternehmen von den positiven Auswirkungen zu überzeugen und mit ihrem Enthusiasmus anzustecken. Die großen Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten konnten noch am ehesten erreicht werden: Hier erwarten knapp drei Prozent der Unternehmen positive Auswirkungen und weitere acht Prozent eher positive Auswirkungen“, sagt Vincent Rost.

Die Mehrheit kennt die Pläne der EZB

Fast 60 Prozent der Unternehmen sind die Pläne der EZB zum digitalen Euro bekannt. Großen Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten dabei noch einmal mehr (67 Prozent) als kleineren (59 Prozent) und mittleren (56 Prozent) Unternehmen. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Bekanntheit damit leicht erhöht, im Januar 2024 gaben 55 Prozent der Unternehmen an, die Pläne zum digitalen Euro zu kennen.

Wenige erwarten notwendige Anpassungen

Mit 32 Prozent geht nur knapp ein Drittel der Unternehmen davon aus, durch den digitalen Euro Anpassungen vornehmen zu müssen. Zwei Jahre zuvor waren noch etwas mehr Unternehmen (40 Prozent) davon ausgegangen.

„Wenn der digitale Euro tatsächlich von den meisten Händlern als Zahlungsmittel verpflichtend zu akzeptieren ist, müssen Unternehmen möglicherweise Anpassungen vornehmen, beispielsweise ihre Infrastruktur und Prozesse für Zahlungseingänge erweitern. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass diese Anpassungen von Banken und Zahlungsdienstleistern übernommen werden und das Unternehmen nicht selbst tätig werden muss“, sagt Rost.

Unternehmen repräsentativ befragt

Die Daten vom Januar 2026 wurden im Rahmen des ZEW-Branchenreports Informationswirtschaft erhoben. Dafür haben die Forschenden rund 800 Unternehmen in Deutschland repräsentativ befragt. Vergleichsdaten wurden im Januar 2024 erhoben. Die befragten Unternehmen stammen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft, die sich aus IKT-Branche, Mediendienstleistern und wissensintensiven Dienstleistern zusammensetzt.