12-Uhr-Tankregel: 6 Cent höhere Marge auf Benzin
ForschungZeitreihenanalyse von ZEW und DICE zeigt Preisentwicklung an der Zapfsäule
Seit am 1. April 2026 das Kraftstoffmaßnahmenpaket in Kraft trat, sind die Gewinnmargen sowohl für E5- als auch für E10-Benzin in Deutschland um rund sechs Cent pro Liter gestiegen. Der Effekt auf Dieselpreise hingegen bleibt zumindest kurzfristig uneindeutig, da die internationalen Dieselnotierungen seit Kriegsbeginn sehr volatil sind. Vor allem kleinere Ketten und unabhängige Anbieter haben ihre Gewinnmargen stärker angehoben als große Tankstellenketten. Innerhalb Deutschlands variiert zudem die Stärke des Effekts erheblich. Das zeigt erstmals eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE). Die Forschenden analysierten Daten von rund 15.000 Tankstellen im Zeitraum von jeweils zwei Wochen vor und nach Inkrafttreten der neuen Tankpreisregelung.
„Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, betont Leona Jung, Autorin der Studie vom DICE.
Leonard Gregor, Ko-Autor vom DICE, ergänzt: „Einerseits reduziert sich der durch sieben bis acht Preisspitzen geprägte Tageszyklus auf eine einzelne, vorhersehbare Mittagssteigerung, wodurch günstige Zeitfenster klarer erkennbar werden. Andererseits müssen höhere Preise zwischen Mittag und frühem Abend in Kauf genommen werden.“
Preis-Vorhersehbarkeit hat Folgen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vorhersehbarkeit der Preisanpassungen indirekt zu höheren Durchschnittspreisen führt. Die Preise sind während der Mittagszeit bis in die Abendstunden systematisch erhöht, während die Preise in den Morgenstunden tendenziell unter den Tagesdurchschnitt fallen. Zuvor hatten Verbraucherinnen und Verbraucher über den Tag zahlreiche Gelegenheiten, günstiger zu tanken.
Gewinnmargen steigen
Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen die Forschenden Kraftstoffpreise abzüglich der Steuern und Gebühren mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, dem sogenannten „ARA-Preis“.
„Während die Gewinnmargen von Benzin seit Inkrafttreten der Tankpreisregelung im Durchschnitt etwa sechs Cent pro Liter gestiegen sind, schwankten die Margen für Diesel im Beobachtungszeitraum deutlich. Die Preise für Diesel zogen bereits vor Inkrafttreten der Regelung im Verlauf des Iran-Konflikts stark an, während Benzin verzögert reagierte. Aufgrund des kurzen Betrachtungszeitraums lässt sich der Anstieg der Dieselmargen nicht belastbar quantifizieren“, sagt Jacob Schildknecht, Ko-Autor der Studie aus dem ZEW-Forschungsgbereich „Digitale Ökonomie“.
Regionale und strukturelle Unterschiede
Sowohl Region als auch Tankstellenkettengröße beeinflussen die Stärke des Effekts deutlich. Kleinere Ketten und unabhängige Anbieter verzeichnen die größten Margenanstiege, während die Auswirkungen für mittelgroße Ketten moderaterer und bei großen Ketten am geringsten sind.
„Dieser Unterschied zeigt, dass die Reform nicht einheitlich wirkt, sondern stark von Marktstruktur und Wettbewerbsintensität abhängt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen“, so Prof. Dr. Justus Haucap, Ko-Autor der Studie und Direktor des DICE.
In Süddeutschland sind die Margen besonders stark gestiegen – zusätzlich um bis zu 1,2 Cent pro Liter Benzin und 2,4 Cent pro Liter für Diesel.
„Das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Süden könnte eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit größere Margenanpassungen begünstigen. Außerdem können regionale Unterschiede in den Lieferketten und bei der Rohölbeschaffung zu Kostenunterschieden führen, die die regionalen Unterschiede bei den Preisreaktionen weiter verstärken“, so die Forschenden.
Über die Studie
Die Studie basiert auf hochfrequenten Preisdaten aller deutschen Tankstellen aus der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Im Zeitfenster von jeweils 14 Tagen vor und nach der Reform ab dem 1. April 2026 analysierten die Forschenden rund 420.000 Beobachtungen für E5-Benzin und Diesel. Die Ergebnisse für E5 sind dabei nahezu identisch mit denen für E10, weshalb sich die Forschenden auf eine Sorte konzentrierten. Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen sie die Nettopreise mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen („ARA-Preis“).