ZEW-Erste Bank-Konjunkturindikator CEE - Fortschreibung der guten konjunkturellen Situation in den Ländern Mittel- und Osteuropas

Konjunkturindikator CEE

Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, mit Unterstützung der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Wien, durchgeführte Umfrage unter Finanzmarktexperten zeigt, dass die Experten die derzeitige konjunkturelle Situation für die Länder Mittel- und Osteuropas als gut einschätzen. Die Aussichten für die nächsten sechs Monate beurteilen sie ebenfalls als weiterhin gut. Für Österreich bewerten die Experten Situation und Erwartungen sehr ähnlich.

Der Konjunkturindikator CEE, der als Saldo der positiven und negativen Einschätzungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten ermittelt wird, ist um 7,7 Punkte auf 10,6 Punkte gesunken. Der überwiegende Teil der Finanzmarktexperten, 78,6 Prozent, erwartet dabei keine Änderung im Vergleich zur aktuellen Situation. 16 Prozent der Befragten, neun Prozent weniger als im Vormonat, gehen von einer Verbesserung und 5,4 Prozent (-1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat) von einer Verschlechterung aus. Für die aktuelle Situation der Länder Mittel- und Osteuropas überwiegen die guten Einschätzungen (Saldo: 62,1 Prozent).

Für Österreich schätzen die Finanzmarktexperten die aktuelle Situation zwar etwas besser als in den Ländern Mittel- und Osteuropas ein (Saldo: 74,5 Punkte), die Aussichten beurteilen sie jedoch eher neutral: 89,1 Prozent der Befragten gehen nicht von einer Veränderung der konjunkturellen Situation in den nächsten sechs Monaten aus.

Die Inflationserwartungen für die Region der CEE-Staaten sind im Vergleich zum Vormonat etwas gestiegen; der Saldo liegt hier bei 30,0 Punkten, 5 Punkte höher als in der Mai-Umfrage. Zwischen den Ländern bestehen jedoch beträchtliche Unterschiede. So erwarten 62,8 Prozent der Experten eine anziehende Inflation in der Tschechischen Republik, während 76,8 Prozent der Befragten mit einer sinkenden Inflation in Ungarn rechnen, was sich auch in den jeweiligen Salden niederschlägt. Für Österreich rechnen die Experten noch immer mit einer steigenden Inflationsrate, der Saldo liegt hier bei 20,4 Punkten nach 24 Punkten im Vormonat.

Die Einschätzung der kurz- und langfristigen Zinsen hat sich für die betrachteten Länder unterschiedlich entwickelt. Vor allem die Zinssenkungserwartungen des Vormonats für die Slowakei sind relativ stark zurückgegangen, so dass sich nun die Erwartungen höherer und niedrigerer kurzfristiger Zinsen fast die Waage halten (Saldo: -2,2 Punkte).

Der Optimismus für die Aktienmarktentwicklung ist immer noch recht ausgeprägt. Mit einem Steigen des ATX Index rechnet beispielsweise ein Saldo von 51,2 Prozent der Experten. Dies sind 14,6 Punkte weniger als in der Mai-Umfrage. Auch für alle anderen Indizes ist der Saldo geringer als im Vormonat. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang für Slowenien (-50,2 Punkte) und Kroatien (-34,2 Punkte).

Die Finanzmarktexperten prognostizieren eine Aufwertung aller betrachteten Landeswährungen in den folgenden sechs Monaten. Der Saldo der Antworten ist durchgehend positiv, am stärksten nun für die slowakische Koruna und nicht mehr wie im Vormonat für den polnischen Zloty.

Die Sonderfrage bezieht sich auf den Konjunkturverbund innerhalb der mittel- und osteuropäischen Länder und die Übereinstimmung der konjunkturellen Schwankungen mit der EMU. Während für die CEE-Länder, basierend auf den Antworten, von einem mittleren Grad des Gleichlaufs ausgegangen werden kann, scheint die Übereinstimmung mit der Konjunktur in der EMU weniger stark ausgeprägt zu sein.

Ablauf der Umfrage und Methodologie

Eine analoge monatliche Untersuchung für Deutschland führt das ZEW seit 1991 durch, für die Schweiz gibt es eine solche Umfrage seit Juni 2006. Ziel der vorliegenden Umfrage ist es, Indikatoren für das allgemeine Konjunkturklima für die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) sowie Österreich zu entwickeln. Zur CEE-Region werden Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei und Slowenien gezählt.

Im Einzelnen werden die Finanzmarktexperten nach der Beurteilung der aktuellen konjunkturellen Lage sowie nach ihren mittelfristigen Erwartungen für die entsprechenden Volkswirtschaften befragt sowie nach ihrer Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Inflationsrate, der kurz- und langfristigen Zinsen, der Aktienkurse und der Wechselkurse auf die Sicht von sechs Monaten. Die Experten geben bei ihren Antworten qualitative Tendenzeinschätzungen bezüglich der Veränderungsrichtung ab. Bei den beurteilten Volkswirtschaften handelt es sich um die Regionen Mittel- und Osteuropa und den Euroraum sowie Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Slowakei, Kroatien, Rumänien und Österreich.

Detaillierte Ergebnisse zu den einzelnen mittel- und osteuropäischen Staaten sowie zu Österreich enthält der "Financial Market Report CEE", der monatlich erscheint.

Ansprechpartner

Dr. Katrin Ullrich, E-Mail: ullrich@zew.de