Unternehmen mit innovativer Arbeitsorganisation sind erfolgreicher
ForschungZEW-Analyse zur Inklusion von Beschäftigten in Unternehmen
Innovationen in der Arbeitsorganisation können soziale Teilhabe und wirtschaftlichen Erfolg miteinander verbinden. Unternehmen, die zwischen 2020 und 2022 erstmals innovative Maßnahmen für eine inklusivere Arbeitsorganisation eingeführt haben, erzielten im Durchschnitt einen rund 6,2 Prozent höheren Umsatz und beschäftigten etwa 4,7 Prozent mehr Mitarbeitende als vergleichbare Unternehmen. Zu solchen Maßnahmen zählen beispielsweise flexible Lebensarbeitszeitmodelle für ältere Beschäftigte, inklusive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, Mentoring-Programme zur Geschlechtergleichstellung oder Brückenpraktika für Geflüchtete. Das zeigen aktuelle Ergebnisse im Rahmen des Projekts Innovationen in der digitalen Arbeitsgesellschaft (InDigAr) in Zusammenarbeit mit Forschenden an der Technischen Universität München.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass inklusive Arbeitsorganisation nicht nur gesellschaftlich relevant ist, sondern auch mit dem wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen zusammenhängt. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang bei Unternehmen, die solche Maßnahmen erstmals einführen“, sagt Linus Strecke, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.
„Unternehmen können durch eine aktive Einbindung unterschiedlicher Beschäftigtengruppen bislang ungenutzte Kompetenzen erschließen. Entscheidend ist allerdings, Diversität gezielt in betriebliche Abläufe und Innovationsprozesse zu integrieren“, ergänzt Dr. Bastian Krieger, Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“ im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.
Ältere Beschäftigte und Zugewanderte im Fokus
Zwischen 2020 und 2022 führten 19 Prozent der untersuchten Unternehmen mindestens eine inklusive Maßnahme in ihrer Arbeitsorganisation ein. Am häufigsten richteten sich diese an ältere Beschäftigte: 9,3 Prozent der Unternehmen setzten entsprechende Maßnahmen um. Angebote zur Integration von Migranten/-innen und Geflüchteten folgten mit 8,5 Prozent. Maßnahmen für Menschen mit Behinderung wurden von 4,3 Prozent und solche zur Geschlechtergleichstellung von 3,1 Prozent der Unternehmen eingeführt. Unternehmen mit eigenen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten waren dabei aktiver: Von ihnen setzten 22,9 Prozent inklusive Arbeitsinnovationen um, gegenüber 16,8 Prozent der Unternehmen ohne Forschung und Entwicklung.
Unternehmensgröße entscheidend für die Umsetzung inklusiver Maßnahmen
Im Untersuchungszeitraum führten kleine und mittlere Unternehmen vergleichsweise häufig erstmals inklusive Maßnahmen ein und holten damit gegenüber Großunternehmen auf. Diese hatten entsprechende Inklusionstätigkeiten oftmals bereits vor 2020 etabliert. Bei der kontinuierlichen Einführung zeigt sich dagegen ein deutlicher Größeneffekt. Während lediglich 2,8 Prozent der kleinen Unternehmen fortlaufend neue inklusive Maßnahmen umsetzten, lag der Anteil bei Großunternehmen bei 14,4 Prozent. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere sehr kleine Unternehmen durch begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen an der Umsetzung gehindert werden.
Über die Methodik
Die Analyse basiert auf Daten des Mannheimer Innovationspanels, einer repräsentativen Befragung von deutschen Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten. Untersucht wurden 1.692 Unternehmen, von denen 89,7 Prozent kleine und mittlere Unternehmen waren. Die Angaben zu neu eingeführten Maßnahmen beziehen sich auf die Jahre 2020 bis 2022, Angaben zu früheren Aktivitäten wurden rückblickend erhoben. Für die Untersuchung der Zusammenhänge mit Umsatz und Beschäftigung nutzten die Forschenden Fixed-Effects-Modelle und bildeten mithilfe eines statistischen Gewichtungsverfahrens möglichst vergleichbare Unternehmensgruppen. Berücksichtigt wurden unter anderem Innovationsaktivitäten, verfügbare Ressourcen, Unternehmensstruktur, Branche und die wirtschaftliche Entwicklung vor dem Untersuchungszeitraum.