Start-ups in Europa: Großes Potenzial bleibt ungenutzt
ForschungZEW-Studie zeigt Unterschiede bei Start-ups in Frankreich, Deutschland und Großbritannien auf
In Frankreich, Deutschland und Großbritannien bleibt erhebliches Wachstumspotenzial ungenutzt. Ein ZEW Policy Brief untersucht auf Basis von mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Europa, wo Start-ups entstehen und in welchen Regionen die Anzahl der vorhergesagten Werte von Start-up übertroffen werden. Es zeigt sich, dass sich die unternehmerische Dynamik in Europa auf Metropolen wie Paris, London oder München sowie auf forschungsstarke Regionen wie Cambridge, Oxford, Lyon, Bonn oder Heidelberg konzentriert.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Europa erhebliches Gründungspotential hat, aber bessere Bedingungen braucht, damit aus vielversprechenden Start-ups tatsächlich Scale-ups werden“, erklärt Prof. Dr. Hanna Hottenrott, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. „Besonders auffällig ist, dass Frankreich sein erwartetes Scale-up-Potenzial im Untersuchungszeitraum deutlich erhöht hat, während Deutschland trotz guter Ausgangslage an Dynamik verloren hat.“
Lena Füner, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, ergänzt: „Für die europäische Wettbewerbsfähigkeit kommt es darauf an, Markteintritt, Finanzierung, Talentzugang und Wachstumshürden gemeinsam in den Blick zu nehmen. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, wenn junge Unternehmen in fragmentierten Märkten nicht schnell skalieren können.“
Frankreich holt auf, Deutschland verliert an Dynamik
Besonders auffällig ist die Entwicklung in Frankreich: Die Zahl der potenziellen Scale-ups, gemessen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, hat sich dort zwischen 2009 und 2023 etwa verdreifacht. Die Forschenden sehen darin Hinweise auf ein im Vergleich günstigeres Umfeld für wachstumsorientierte Unternehmensgründungen. Dazu zählen politische Initiativen wie Bpifrance, die French Tech Mission und Station F sowie vereinfachte Gründungsverfahren.
Deutschland startete zwar von einem höheren Niveau, verzeichnete im Untersuchungszeitraum jedoch eine abnehmende Dynamik. In Großbritannien stieg das Scale-up-Potenzial zunächst bis 2017, ging danach jedoch wieder zurück. In allen drei Ländern bleibt dabei ein großer Teil des vorhandenen Potenzials ungenutzt.
Wachstum entsteht in starken regionalen Ökosystemen
Wo viele Unternehmen gegründet werden, entstehen tendenziell auch mehr wachstumsstarke Firmen. In Frankreich konzentrieren sich Gründungen mit hohem Wachstumspotenzial vor allem auf die großen Metropolregionen Paris, Marseille und Lyon. In Großbritannien dominiert London, während Cambridge und Oxford durch ihre besonders hohe unternehmerische Qualität hervorstechen. Dies unterstreicht die Bedeutung forschungsstarker Universitätsstandorte. Deutschland weist dagegen eine dezentralere Struktur auf. Neben München als besonders starkem Zentrum zeigen auch Regionen wie Bonn, Heidelberg und Jena eine hohe Qualität des Gründungsgeschehens.
Über die Methodik
Der ZEW Policy Brief erfasst mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien im Zeitraum von 2009 bis 2023, für Großbritannien reichen die Daten bis 2020. Untersucht wurden neu gegründete Kapitalgesellschaften auf regionaler Ebene. Um das Wachstumspotenzial der Start-ups zu bestimmen, nutzen die Forschenden Informationen, die kurz nach dem Markteintritt verfügbar sind, und prognostizieren damit spätere Scale-up-Erfolge. Die Analyse folgt methodisch dem „Start-up Cartography Project“ aus den USA und unterscheidet zwischen der Anzahl der Gründungen, der erwarteten Qualität der Start-ups, der erwarteten absoluten Zahl potenzieller Scale-ups sowie dem Verhältnis zwischen erwartetem und tatsächlich realisiertem Scale-up-Erfolg. So lässt sich vergleichen, welche Regionen besonders viele Gründungen hervorbringen und wo dieses Potenzial tatsächlich in wachstumsstarke Unternehmen übersetzt wird.