Lange und heftige Einkommenseinbußen durch Griechenlandkrise
ForschungZEW-Studie zur Gehaltsentwicklung in Griechenland seit 2002
Nach der Wirtschaftskrise 2009 bis 2013 erholten sich die Gehälter in Griechenland nur teilweise. Schwankungen im Einkommen, Abstiegsrisiken und Ungleichheit nahmen währenddessen deutlich zu. Besonders betroffen waren Berufseinsteiger sowie Beschäftigte mit mittleren und niedrigen Einkommen, die die Folgen bis heute spüren. Das zeigt eine internationale Studie, an der auch das ZEW Mannheim beteiligt ist.
„Die Arbeitseinkommen in Griechenland entwickelten sich relativ ähnlich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. In den Boom-Jahren vor der Krise stiegen die Einkommen, während der Krise 2009 bis 2013 fielen sie stark, in den folgenden zehn Jahren erholten sie sich langsam und nur teilweise“, sagt Ko-Studienautorin Efi Adamopoulou, PhD, stellvertretende Leiterin der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“.
Grundlegend veränderte Einkommensdynamik
In der Wirtschaftskrise stiegen Einkommensschwankungen, Gehaltsrisiken und Ungleichheit stark an. Diese Muster wurden zwar im Zeitverlauf schwächer, jedoch lagen viele Einkommen auch zehn Jahre nach Ende der Krise noch unter dem Vorkrisenniveau.
Die Studie zeigt, dass die Einbrüche der Realeinkommen quer durch die Verteilung außergewöhnlich heftig und langanhaltend ausfielen. Die Daten zeigen zudem, dass die Einkommensverluste nicht nur im unteren Bereich der Verteilung auftraten, sondern bis weit in die Mitte der Verteilung hineinreichten, während höhere Einkommen deutlich geringere Einbußen verzeichneten.
Berufseinsteiger besonders betroffen
„Berufseinsteiger starteten mit deutlich niedrigeren Einkommen und konnten diesen Rückstand auch in den folgenden Jahren nicht vollständig aufholen. So begannen die Kohorten ab 2009 mit immer weiter sinkenden Einstiegsgehältern. Selbst nach neun Jahren Berufserfahrung blieben ihre Einkommenspfade unter denen der Vorkrisenkohorten. Im Laufe der Zeit nahm dieser Unterschied zwar ab. Die Spuren dieser ‚unglücklichen Kohorten‘ sind aber noch heute sichtbar. Die Effekte sind bei Beschäftigten mit niedrigerem Bildungsniveau etwa doppelt so groß wie bei mittleren und höheren“, so Adamopoulou.
Während Griechenland in den 2000er-Jahren zunächst ein kräftiges Wachstum verzeichnete, verschlechterten sich die Arbeitsmarktbedingungen in der Krise massiv. Die Arbeitslosenquote stieg bis 2013 auf 27,7 Prozent, der reale Durchschnittslohn sank während der Krise um fast 30 Prozent. Gleichzeitig wurden 2012 tiefgreifende Arbeitsmarktreformen umgesetzt, darunter eine nominale Senkung des nationalen Mindestlohns um 22 Prozent und eine deutliche Schwächung der Tarifbindung.
Daten für 21 Jahre ausgewertet
Die Studie basiert auf administrativen, arbeitgeber- und arbeitnehmerbezogenen Daten des griechischen Sozialversicherungssystems (IKA/EFKA) für den Zeitraum 2002 bis 2023. Diese umfassen monatliche Angaben zu Einkommen, Beruf, Unternehmen, Branchen und Regionen und decken den Großteil der privaten Arbeitnehmer in Griechenland ab. Aus diesen Daten wurde ein repräsentativer Panel-Datensatz erstellt, der etwa 20 Prozent der versicherten Arbeitnehmer umfasst. Die Ergebnisse sind Teil des Global Repository of Income Dynamics, das vergleichbare Einkommensdaten aus mehreren Ländern harmonisiert.