Ausgaben für Bildung und Gesundheit lohnen sich

Forschung

Investitionen in Humankapital treiben weltweit Produktivität voran

Höhere Ausgaben für Bildung und Gesundheit zahlen sich ökonomisch aus – im Schnitt mit rund zehn Prozent jährlicher Produktivitätsrendite, zeigt eine internationale Studie, an der das ZEW beteiligt war.

Höhere Ausgaben für Bildung und Gesundheit zahlen sich ökonomisch aus – im Schnitt mit rund zehn Prozent jährlicher Produktivitätsrendite. Das zeigt eine internationale Studie des World Inequality Labs, an der auch das ZEW Mannheim beteiligt war und die nun im renommierten Journal of Public Economics veröffentlicht wurde. Dafür ausgewertete globale Langzeitdaten von 1800 bis 2025 zeigen, dass der Effekt bei öffentlicher Bildung und in ärmeren Ländern besonders groß ist. Zugleich verharren die Unterschiede auf extrem hohem Niveau. So betragen 2025 die Ausgaben für ein Schulkind in Subsahara-Afrika kaufkraftbereinigt nur rund drei Prozent der öffentlichen Bildungsausgaben für ein Schulkind in Europa oder Nordamerika.

„Investitionen in Bildung und Gesundheit sind Wachstumspolitik. Das gilt insbesondere dort, wo das Ausgangsniveau niedrig ist. Wenn Länder ihre Bildungs- und Gesundheitsausgaben verlässlich erhöhen, beschleunigt sich das Produktivitätswachstum messbar. Für öffentliche Bildung liegen die Renditen teils bei 15 bis 20 Prozent“, sagt Li Yang, PhD, Ko-Autor der Studie und Wissenschaftler in der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“.

Globale Chancenlücke bei Bildung und Gesundheit

Die Studie dokumentiert einen langfristigen Anstieg der öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit – weltweit von unter einem Prozent des BIP vor 1900 auf etwa neun Prozent im Jahr 2025. Sie zeigt allerdings auch, dass die globalen Investitionen in Humankapital ungleich verteilt sind. 

Reiche Regionen tätigen einen überproportionalen Anteil der weltweiten Ausgaben. Ärmere Regionen stellen dagegen den Großteil der jungen Bevölkerung, sodass sich dort weniger Investitionen auf mehr Menschen aufteilen. Die öffentlichen Bildungsausgaben in Süd- und Südostasien sowie Subsahara-Afrika betragen nur rund vier Prozent des jeweiligen kaufkraftbereinigten BIPs, während sie in Europa, Nordamerika oder Ozeanien zwischen zwölf und 13 Prozent ausmachen. Auch bei Gesundheitsausgaben zeigt sich eine markante Lücke: Die Pro-Kopf-Beträge in ärmeren Regionen entsprechen teilweise nur einem Fünfzigstel bis Sechzigstel des Spitzenwerts.

Ausblick in die Zukunft: Was bis 2100 möglich ist

2025 liegt die durchschnittliche Stundenproduktivität global bei rund 16 Euro, von etwa vier Euro in Subsahara-Afrika bis über 55 Euro in Europa und Nordamerika. Auf Basis historischer Regressionsanalysen schätzt das Forschungsteam, dass ein zusätzlicher BIP-Prozentpunkt an altersbereinigten Humankapitalausgaben die jährliche Produktivitätsrate im Schnitt um 0,1 Prozentpunkte steigert. Ohne zusätzliche Investitionen verfestigen sich dagegen die Lücken und das globale Wachstum verlangsamt sich. Wenn sich die Ausgaben aber global angleichen, steigen die gesamten – also öffentliche und private – Bildungs- und Gesundheitsausgaben bis 2100 schrittweise auf etwa 35 bis 40 Prozent des BIP und die globale Stundenproduktivität steigt auf rund 100 bis 120 Euro an. 

Neue Welt-Datenbank

Das internationale Forschungsteam hat für die Studie im Rahmen des Global Justice Project des World Inequality Labs eine neue Welt-Datenbank zu öffentlichen und privaten Bildungs- und Gesundheitsausgaben aufgebaut, in der 48 Länder plus neun Weltregionen für die Jahre 1800–2025 berücksichtigt werden. Altersbereinigte Indikatoren ermöglichen faire Vergleiche. Darauf aufbauend analysieren sie Produktivitätsrenditen und simulieren alternative Entwicklungspfade bis 2100.  

Weitere Informationen

Human Capital, Unequal Opportunities and Productivity Convergence: A Global Historical Perspective, 1800–2100

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