Gestaltung von Gassparprogrammen in der Energiekrise: Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse

ZEW policy brief Nr. 25-16 // 2025
ZEW policy brief Nr. 25-16 // 2025

Gestaltung von Gassparprogrammen in der Energiekrise: Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse

Die Energiekrise 2022/2023 in Europa hat gezeigt, wie zentral ein bewusster Gasverbrauch für die Versorgungssicherheit, die
Kostenstabilität und den Klimaschutz ist. Doch wie kann man Haushalte in Krisenzeiten mit Hochpreisphasen dazu bringen, ihren
Verbrauch anzupassen, auch wenn sich Preissignale aufgrund bestehender Verträge erst zeitverzögert darstellen? Mithilfe eines
Feldexperiments und Umfragedaten aus dem Gasbonusprogramm eines Energieversorgers in Deutschland zeigen wir, dass ver-
haltensökonomische Designelemente wie Erinnerungen an Einsparziele und -maßnahmen die individuellen Sparanreize selbst
in Hochpreisphasen weiter stützen können. Gleichzeitig zeigen sich jedoch klare Einschränkungen in der Wirkungsweise von
etablierten Nudges: Haushalte schätzen die Wirksamkeit ihrer konkreten Energiesparmaßnahmen oft falsch ein und Erinnerun-
gen mit Einspartipps allein können diese nicht korrigieren. Auch die Kluft zwischen guten Vorsätzen und tatsächlichem Handeln
lässt sich nur begrenzt schließen. Des Weiteren kann ein Vergleichsfeedback, welches den eigenen Verbrauch im Vergleich zu
anderen Haushalten darstellt, die Gaseinsparungen besonders engagierter Haushalte im Nachgang reduzieren und damit einen
„Bumerang-Effekt“ auslösen. Verhaltensökonomische Designelemente sollten daher nicht als „One size fits all“-Baustein ver-
standen werden.

Kesternich, Martin, Vicky Tinnefeld und Madeline Werthschulte (2025), Gestaltung von Gassparprogrammen in der Energiekrise: Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse, ZEW policy brief Nr. 25-16, Mannheim

Autoren/-innen Martin Kesternich // Vicky Tinnefeld // Madeline Werthschulte