„Finanzbildungsprogramme wirksam gestalten“

Kommentar

Global Money Week: ZEW-Ökonomin Leah Zimmerer zur Bedeutung von finanzieller Bildung

Die Global Money Week der OECD weist darauf hin, wie wichtig finanzielle Bildung für junge Menschen ist, angesichts wachsender finanzieller Verantwortung und zunehmender Komplexität von Finanzprodukten. Dr. Leah Zimmerer, Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“ am ZEW Mannheim, ist am Projekt EvaFin beteiligt, das die Qualität und Wirksamkeit von Finanzbildungsangeboten in Deutschland untersucht. Sie erklärt dazu:

„Finanzielle Bildung ist für junge Menschen von zentraler Bedeutung. Sie stehen zunehmend vor komplexen finanziellen Entscheidungen, etwa zur eigenständigen Planung der Altersvorsorge, zur Beteiligung am Kapitalmarkt oder zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Finanzangeboten wie ‚Buy Now, Pay Later‘. Gleichzeitig verstärken der demografische Wandel, die Digitalisierung und die wachsende Vielfalt an Finanzprodukten die Anforderungen an die individuelle Finanzkompetenz.

Empirische Studien zeigen, dass sich Finanzwissen positiv auf das Finanzverhalten auswirkt: Es erhöht die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Vermögensbildung, verbessert Diversifikationsentscheidungen, fördert die Planung der Altersvorsorge und unterstützt einen nachhaltigeren Umgang mit Verschuldung. Dennoch bestehen erhebliche Kompetenzunterschiede zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen. Junge Menschen, Frauen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit niedrigerem Bildungsstand weisen häufig geringere Finanzkenntnisse auf. Dies kann bestehende Ungleichheiten verstärken. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die finanzielle Sozialisation im Elternhaus. Unsere Forschungsergebnisse zeigen beispielsweise, dass Eltern häufiger mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern über Geld sprechen. Eine geringere Einbindung von Mädchen in finanzielle Gespräche kann dazu beitragen, geschlechtsspezifische Unterschiede im Finanzwissen, im finanziellen Selbstvertrauen und im späteren Entscheidungsverhalten zu verstärken.

Obwohl sich ein großer Teil der Jugendlichen explizit mehr Finanzbildung in der Schule wünscht, ist die Umsetzung entsprechender Angebote in Deutschland aufgrund föderaler Strukturen bislang uneinheitlich und nur begrenzt systematisch koordiniert. Es gibt aktuell auch nur wenig Anhaltspunkte, unter welchen Bedingungen Finanzbildungsprogramme wirksam sind, für welche Zielgruppen sie besonders geeignet sind und wie ein nachhaltiger Transfer von Wissen in tatsächliches Finanzverhalten gelingt. Das wollen wir mit dem Projekt EvaFin ändern. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines theoretisch fundierten und methodisch robusten Evaluationskonzepts für Finanzbildungsinterventionen in Kooperation mit Praxispartnern. Damit soll eine evidenzbasierte Grundlage geschaffen werden, um zielgruppengerechte, wirksame und langfristig tragfähige Maßnahmen der Finanzbildung systematisch weiterzuentwickeln.“

Weitere Informationen

Evaluation von Finanzbildungsinterventionen über die Lebensspanne

01.10.2024 – 30.09.2027 Mehr zum Projekt