Die Zielgenauigkeit ihrer Maßnahmen ist ein wichtiges Anliegen der Sozialpolitik. In diesem Papier zeigen drei Fallstudien typische Defizite bei der Zielgenauigkeit von Rentenreformen. Die erste Fallstudie untersucht, wie gut Erwerbsunfähigkeit und der Bezug von Erwerbsminderungsrenten in Deutschland übereinstimmen und zeigt, dass die Reform von 2001 die Zielgenauigkeit nicht systematisch verbessert hat. In der zweiten Fallstudie wird untersucht, ob die Einführung der Altersrente für besonders langjährig Versicherte im Jahr 2014 diejenigen Personen erreicht hat, die aufgrund von körperlich belastenden Berufen während ihrer Erwerbskarriere am Ende weniger gesund sind. Wir stellen fest, dass die Zielgruppe tatsächlich aber gesünder ist als die Vergleichsgruppe. Als drittes Beispiel dient die viel diskutierte Grundrente für armutsgefährdete Haushalte, welche die Zielgruppe deutlich verfehlen würde. Weniger als 40% der anspruchsberechtigten Personen haben ein pro-Kopf Haushaltsnettoeinkommen im untersten Drittel der Einkommensverteilung. Da derzeit in vielen europäischen Ländern ähnliche Reformen diskutiert werden, können die drei deutschen Fallstudien als Beispiele für eine zielgenauere Ausrichtung der Rentenpolitik dienen.

Bucher-Koenen, Tabea, Axel Börsch-Supan, Nicolas Goll und Felizia Hanemann (2019), Targets missed: Three case studies exploiting the linked SHARE-RV data, MEA Discussion Paper, München. Download

Autoren

Bucher-Koenen, Tabea
Börsch-Supan, Axel
Goll, Nicolas
Hanemann, Felizia

Schlagworte

Social security and public pensions, retirement, old-age poverty, work disability, disability insurance