In aktuellen Prognosen der Lern- und Einkommensverluste durch Corona-bedingte Schulschließungen spielen die Kurzschuljahre zur bundesweiten Vereinheitlichung des Schuljahresbeginns bzw. die Verlängerung der Vollzeitschulpflicht von acht auf neun Jahre in den 1960er Jahren eine prominente Rolle. Ihre rückblickend ermittelten Effekte dienen als Maßstab für die Vorhersage langfristig verminderter individueller Einkommen als direkte Folgen Corona-bedingter Schulschließungen. Demgegenüber wird im Kontext der nach dem Zweiten Weltkrieg massiv beschleunigten Bildungsexpansion infrage gestellt, ob isoliert von der Dynamik des Bildungssystems, d.h. trendneutral ermittelte Auswirkungen der Kurzschuljahre bzw. verlängerter Schulzeit auf Kompetenzentwicklung und Einkommen korrekt erfasst sind und auf die aktuelle Situation übertragen werden können. Zudem können die gegenwärtig befürchteten negativen Effekte eingeschränkten Lernens für Beschulung und Schulerfolg in den Kurzschuljahren nicht bestätigt werden.

Drewek, Peter (2020), Bildungsdefizite Corona-bedingter Schulschließungen? Eine bildungshistorische Analyse, ZEW Discussion Paper No. 20-073, Mannheim. Download

Autoren

Drewek, Peter

Schlagworte

Bildungsexpansion, Bildungsreform, Kosten von Schulschließungen