Die US-amerikanische Notenbank Fed setzt ihre geldpolitische Wende fort. Die Leitzinsen steigen mit 0,5 Prozentpunkten doppelt so stark wie bei der ersten Zinsanhebung im März. Damit wird nun eine Zinsspanne von 0,75 bis 1,0 Prozent erreicht. Außerdem hat die Notenbank den Beginn des Bilanzabbaus ab Juni angekündigt. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann kommentiert die Entscheidung der Notenbank Fed ihre Leitzinsen unverändert zu lassen.
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“, zur Fed-Entscheidung und US-Volkswirtschaft.

„Die Fed erhöht angesichts der sehr hohen und breiten Inflationsdynamik das Tempo. Aber das ist nur der Anfang. Wir werden in den kommenden Monaten eine rasche weitere Folge von Zinserhöhungen sehen. Die stark inflationäre US-Volkswirtschaft mit ihrer kräftigen Lohndynamik benötigt nun eine glaubwürdige Strategie der Inflationsbekämpfung. Anders als die EZB hat die US-Notenbank wegen der weitgehenden Energie-Autarkie der USA auch wenig Sorge um eine Energiekrise. Bisher liegen die Erwartungen für die US-Leitzinsen zum Jahresende bei knapp drei Prozent. Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass es dabei nicht bleibt und die Fed noch schneller sein muss, um die im Gang befindliche Lohn-Preis-Spirale auszubremsen.“

Bisherige Kommentare

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat die Zinswende eingeleitet. Die Leitzinsen steigen um 0,25 Prozent, nachdem sie seit zwei Jahren konstant in der Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent verblieben waren. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Dieser erste kleine Zinsschritt war mehr als überfällig und wirkt halbherzig. Die US-Inflationsrate nähert sich mit großer Geschwindigkeit der Zehn-Prozent-Marke und auch die Inflationserwartungen sind kräftig gestiegen. Die Zentralbank muss jetzt vermeiden, dass aus einer temporären Corona- und Kriegsinflation ein längerfristiger Inflationsprozess wird. Dafür sind weit höhere Zinsen unausweichlich. Die jüngst wieder sehr starken Daten vom US-Arbeitsmarkt deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft auch eine globale Abschwächung als Folge des Ukraine-Kriegs verkraften kann. Vor diesem Hintergrund ist der erste Trippelschritt von 25 Basispunkten zu ängstlich ausgefallen. Die Fed läuft mit ihrer Zögerlichkeit der Inflationsdynamik hinterher.“

Die US-amerikanische Notenbank Fed wird den Ausstieg aus ihren Wertpapierkäufen bereits Anfang März vollenden. Die Leitzinsen verbleiben vorläufig noch in der Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent. Gleichzeitig stellt sie nun aber eine baldige Leitzinserhöhung in Aussicht. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, kommentiert:

„Die Fed ist vielleicht in der schwierigsten Lage seit den 1970er-Jahren. Die hohe Zahl der freiwilligen Kündigungen von Arbeitnehmer/innen zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt auf Vollbeschäftigung und anhaltende Lohnanstiege im Wettbewerb um Arbeitskräfte zusteuert. Das Argument, dass der derzeitige Inflationsanstieg vorübergehend sei, findet unter US-Ökonomen/-innen kaum noch Unterstützung. Mit einigen wenigen Zinserhöhungen ist es nicht mehr getan, weil der Realzins derzeit aufgrund der hohen Inflationsrate sehr stark negativ ist. Eigentlich gibt die Fed also immer noch Vollgas, obwohl sie schon längst bremsen müsste. Natürlich besteht die Angst vor einer harten Landung mit Aktien-Crash und globaler Finanzkrise. Diese Angst darf die Fed nicht lähmen. Denn wenn die Inflationserwartungen erst einmal dauerhaft steigen, wird alles noch schwieriger.“

Datum

04.05.2022

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