Die US-amerikanische Notenbank Fed hat ihre Leitzinsen erwartungsgemäß im Korridor von 0,0 bis 0,25 Prozent belassen. Gleichzeitig setzt sie ihre massiven Wertpapierkäufe und ihre direkte Kreditvergabe an den Unternehmenssektor fort. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, kommentiert die Entscheidung.

ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann kommentiert die Entscheidung der Notenbank Fed ihre Leitzinsen unverändert zu lassen.
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft", zur Fed-Entscheidung und US-Volkswirtschaft.

„Die Fed fährt weiter auf Sicht. Die Erwartung auf eine rasche durchgreifende Erholung der US-Ökonomie hat sich mit den sehr hohen Covid-19-Infektionszahlen zerschlagen. Mit Recht macht sich die US-Notenbank keine Hoffnung, dass der schwache Dollar dem Land in dieser Phase nennenswert helfen kann. Weil der Welthandel am Boden liegt und der US-China-Handelskonflikt weiter eskaliert, kann die Abwertung des US-Dollar die US-Exporte nicht beflügeln. Allerdings hat die Fed noch viel Spielraum: Ihre Bilanzsumme liegt mit 32 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung weit unter der Bilanzsumme der EZB, die schon 53 Prozent des EU-BIP erreicht hat.“

Bisherige Kommentare

Schwache Medizin gegen das Konjunkturvirus (03.03.2020)

Schwache Medizin gegen das Konjunkturvirus (03.03.2020)

Die US-Zentralbank Fed hat überraschend ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf die Spanne von 1 bis 1,25 Prozent gesenkt. Mit diesem Schritt reagiert die Fed auf die Risiken, die mit dem Coronavirus für die amerikanische und globale Konjunktur verbunden sind. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu: 

„Dass die Fed jetzt reagiert, ist nachvollziehbar. Auch hat sie anders als die Europäische Zentralbank immer noch zinspolitischen Spielraum. Dennoch sind neue Zinssenkung eine schwache Medizin gegen das Konjunkturvirus. Das gilt insbesondere für Europa, wo eine nennenswerte Dosis in der Negativzinssituation nicht mehr verabreicht werden kann. Mehr und mehr ist jetzt die Fiskalpolitik gefragt. Gerade in Staaten wie Deutschland mit erheblichem fiskalischen Spielraum sollten nun rasch klug konstruierte Konjunkturpakete vorbereitet werden. Nicht nur Industrie und Dienstleister, auch der private Konsum benötigt in den Monaten der Viren-Panik wirksame ökonomische Unterstützung.“

Fed verweigert Wahlkampfhilfe für Donald Trump (29.01.2020)

Fed verweigert Wahlkampfhilfe für Donald Trump (29.01.2020)

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat in ihrer jüngsten Entscheidung wie erwartet den Leitzins unverändert gelassen. Er verbleibt im Januar 2020 zwischen 1,5 Prozent und 1,75 Prozent. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Nach den drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr schwenkt die Fed jetzt auf einen abwartenden Kurs ein. Die exzellente Arbeitsmarktlage und ein solides Wachstum bei wieder höherer Inflation geben vorerst keinen Anlass für eine weitere Zinssenkung. Im Präsidentschaftswahljahr zeigt sich wieder einmal, wie segensreich die Unabhängigkeit einer Zentralbank ist. US-Präsident Trump hätte für seinen Wahlkampf jetzt gerne ein heftiges, geldpolitisch erzeugtes Konjunktur-Strohfeuer. Jerome Powell und die Mehrheit im Offenmarktausschuss werden sich dieser Wahlkampfhilfe verweigern. Da wird es auch nichts nutzen, dass Trump nun zwei geldpolitische Tauben in das Gremium einschleusen will. Alle Erfahrung zeigt, dass politische Kandidaten schnell von den Kollegen in der Fed sozialisiert werden dürften.“

Eine echte Zentralbank-Unabhängigkeit sieht anders aus (30.10.2019)

Eine echte Zentralbank-Unabhängigkeit sieht anders aus (30.10.2019)

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat ihren im Juli 2019 begonnen Kurs der Zinssenkungen fortgesetzt und den Korridor für ihre Leitzinsen nun zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte auf aktuell 1,50 Prozent bis 1,75 Prozent gesenkt. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Die erneute Fed-Zinssenkung ist trotz einer immer noch hervorragenden Lage an den Arbeitsmärkten und einer soliden Wachstumsrate der Wirtschaft problematisch, weil die Fed ohne Not ihren Bewegungsspielraum für eine echte Krise einengt. Das Timing kurz nach Bekanntgabe eines Besorgnis erregenden Haushaltsdefizits der US-Regierung in Höhe von 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung ist noch dazu äußerst unglücklich.

Die Fed erweckt zunehmend den Eindruck, als ob sie letztlich doch von der Trump-Administration gesteuert wird. Die Abkühlung der Industrie aufgrund des Handelskonflikts mit China und das Eine-Billionen-Staatsdefizit trotz Rekord-Beschäftigung sind beide von der US-Politik verursachte Probleme. Und die Fed muss nun gute Miene zum bösen Spiel machen und diese Fehler finanzieren. Eine echte Zentralbank-Unabhängigkeit sieht anders aus.“

Die Fed kann verantwortungslose Wirtschaftspolitik nicht kompensieren (18.09.2019)

Die Fed kann verantwortungslose Wirtschaftspolitik nicht kompensieren (18.09.2019)

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat ihren im Juli 2019 begonnen Kurs der Zinssenkungen fortgesetzt und den Korridor für ihre Leitzinsen um weitere 0,25 Prozentpunkte  auf 1,75 bis 2,00 Prozent gesenkt. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, erklärt dazu:

„Anders als in Europa ist die Inflationsentwicklung nicht der wichtigste Grund für den neuen expansiven Kurs der Fed, sondern die deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Gründe dafür sind der Handelskonflikt mit China und das Ende des Strohfeuers der Trumpschen Steuerreform von 2018. Ironischerweise wird die vom US-Präsidenten viel geschmähte Fed mit ihren Bemühungen zur Belebung der US-Wirtschaft im kommenden Jahr nun zu seinem wichtigsten Wahlkampfhelfer. Aber wie in Europa gilt auch in den USA: Die Zentralbank kann den Schaden einer verantwortungslosen Wirtschaftspolitik nicht kompensieren. Die US-Ökonomie wird nicht durch weitere Zinssenkungen wieder auf die Beine kommen, sondern nur durch mehr Vernunft im Weißen Haus.“

Datum

29.07.2020

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