ZEW-Erste Group Bank-Konjunkturindikator CEE - Weiterhin optimistische Konjunkturerwartungen für Mittel- und Osteuropa

Konjunkturindikator CEE

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) verbessern sich im Oktober erneut. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, mit Unterstützung der Erste Group Bank, Wien, monatlich ermittelte Konjunkturindikator CEE steigt in der aktuellen Umfrage um 12,1 Punkte auf 50,9 Punkte. Somit setzt sich der zu Anfang des Jahres begonnene Aufwärtstrend fort.

Mit 54,7 Prozent geht die Mehrheit der Umfrageteilnehmer davon aus, dass sich die Konjunktur im CEE-Raum in den kommenden sechs Monaten erholt. Nur 3,8 Prozent erwarten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung. Ähnlich positiv entwickeln sich im Oktober die Indikatoren für Österreich sowie für die Eurozone. Die Konjunkturerwartungen für Österreich steigen um 7,1 Punkte auf 51,1 Punkte. Der Indikator für die Eurozone legt um 11,9 Punkte zu und erreicht einen Stand von 56,6 Punkten.

Die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage in der CEE-Region trübt sich allerdings ein. Der entsprechende Saldo sinkt um 9,3 Punkte auf minus 56,6 Punkte. Der Anteil derjenigen, die die gegenwärtige wirtschaftliche Situation pessimistisch beurteilen, nimmt um 9,4 Prozentpunkte auf 58,5 Prozent zu. Nur 1,9 Prozent der Finanzmarktexperten bewerten die aktuelle konjunkturelle Lage in der CEE-Region als gut.
Ebenfalls kritisch beurteilen die Analysten im Oktober die aktuelle wirtschaftliche Lage in Österreich und der Eurozone. Der entsprechende Saldo für Österreich sinkt um 10,1 Punkte auf minus 34,1 Punkte. Der entsprechende Indikator der Eurozone sinkt um 6,5 Punkte auf minus 43,4 Punkte.

Hinsichtlich der Inflationserwartungen der Finanzmarktexperten zeichnet sich ein klares Bild für die CEE-Region, Österreich und die Eurozone. Alle Salden klettern um zweistellige Punktezahl und wechseln von negativ zu positiv. Dies würde eine erwartete steigende Teuerungsrate signalisieren. Allerdings prognostiziert die Mehrheit der Analysten unveränderte Inflationsraten auf Sicht von sechs Monaten. Diese neutrale Beurteilung wird bei der Berechnung des Saldos nicht berücksichtigt.

Die sich festigenden Konjunkturerwartungen für die Eurozone gehen mit der zunehmenden Erwartung einer Zinserhöhung im Euroraum einher. Der Anteil der Umfrageteilnehmer, die eine Zinserhöhung auf Sicht von sechs Monaten in der Eurozone erwarten, nimmt um 25,8 Prozentpunkte zu und erreicht 45,8 Prozent. Dennoch betrachtet mit 54,2 Prozent weiterhin die Mehrheit der Analysten das aktuelle Zinsniveau von einem Prozent als angemessen.

Der Saldo für den Aktienmarktindex der CEE-Region NTX steigt im Oktober um 1,1 Punkte auf 19,6 Punkte. Die Erwartungen für den Österreichischen Aktienmarktindex ATX sinken dagegen um 6,0 Punkte auf 12,5 Punkte. Auch die Erwartungen für den Eurostoxx 50 gehen zurück. Der Saldo sinkt in der aktuellen Umfrage um 16,5 Punkte auf 6,5 Punkte.

Kroatien

Der kroatische Konjunkturindikator setzt seinen Aufwärtskurs im Oktober fort. Die Konjunkturerwartungen steigen um 11,7 Punkte auf 31,7 Punkte. Damit liegen die Konjunkturerwartungen für Kroatien nicht mehr an letzter Position der analysierten CEE-Länder. Anders als im Vormonat verschlechtert sich im Oktober allerdings die Beurteilung der aktuellen Wirtschaftslage. Der entsprechende Indikator geht um 16,2 Punkte auf minus 61,3 Punkte zurück.
Für die Entwicklung des kroatischen Aktienmarktes auf Sicht von sechs Monaten sind die Finanzmarktexperten weiterhin optimistisch. Mit einem Saldo von 19,6 Punkten belegen die Prognosen für den kroatischen Aktienindex CROBEX den zweitbesten Platz im Ländervergleich.
Ähnlich wie in den Vormonaten geht die Mehrheit der Umfrageteilnehmer im Oktober von einer Abwertung der Kroatischen Währung gegenüber dem Euro aus.

Polen

Die Konjunkturerwartungen für Polen sind im Oktober unter allen analysierten Ländern am optimistischsten. Sie steigen um 7,6 Punkte auf 46,0 Punkte. Auch die aktuelle wirtschaftliche Lage in Polen wird von den Analysten weniger kritisch als in den anderen Ländern eingeschätzt. Der entsprechende Saldo sinkt zwar um 16,8 Punkte, der erzielte Wert von minus 22,4 Punkte ist aber trotzdem der beste unter den analysierten Volkswirtschaften.
Für die polnische Währung gehen die befragten Experten mehrheitlich von einer Aufwertung aus. Der Saldo der Aufwertungs- und Abwertungsprognosen beträgt 37,6 Punkte.

Rumänien

Die Konjunkturerwartungen für Rumänien sinken im Oktober 4,5 Punkte und erreichen einen Stand von 25,5 Punkten. Dies ist der niedrigste Wert im Ländervergleich. Auch die aktuelle wirtschaftliche Lage wird für Rumänien verhaltener eingeschätzt als in den anderen analysierten Ländern. Der entsprechende Saldo sinkt um 17,9 Punkte auf minus 70,8 Punkte.
Für den rumänischen Aktienmarkt zeigen sich die befragten Analysten optimistisch. Der Saldo für die Entwicklung des rumänischen Aktienindex BET steigt um 1,2 Punkte leicht an und erreicht den höchsten Wert in dieser Kategorie von 20,0 Punkten.

Slowakei

Zum zweiten Mal in Folge bleibt der slowakische Konjunkturindikator auch im Oktober beinahe unverändert bei 36,1 Punkten. Im Gegensatz zum Vormonat verschlechtert sich die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation deutlich um 36,7 Punkte auf minus 61,3 Punkte. Auch die Entwicklung des slowakischen Aktienmarktindex SAX beurteilen die Finanzmarktexperten zurückhaltend. Mit 2,6 Punkten belegt der entsprechende Indikator weiterhin den letzten Platz im CEE-Ländervergleich.

Tschechische Republik

Der Konjunkturindikator für die Tschechische Republik steigt im Oktober leicht um 2,4 Punkte auf 41,2 Punkte und tritt seine Führungsposition an Polen ab. Die Einschätzung der Analysten bezüglich der aktuellen wirtschaftlichen Lage bleibt nahezu unverändert bei minus 37,3 Punkten.
Während die Entwicklung auf dem tschechischen Aktienmarkt im Vormonat sehr optimistisch beurteilt wurde, verschlechtern sich die Erwartungen im Oktober. Der entsprechende Indikator für den tschechischen Aktienindex PX50 sinkt um 16,4 Punkte auf 4,7 Punkte.
Für die kommenden sechs Monate gehen die Experten mehrheitlich von einer Aufwertung der tschechischen Währung gegenüber dem Euro aus.

Ungarn

Der Aufwärtstrend der Konjunkturerwartungen für Ungarn hält im Oktober an. Der Konjunkturindikator klettert um 5,8 Punkte auf 36,6 Punkte. Die aktuelle wirtschaftliche Lage im Lande wird hingegen weiterhin kritisch beurteilt. Dennoch steigt der entsprechende Saldo als einziger Saldo unter den analysierten CEE-Ländern in dieser Kategorie um 4,2 Punkte auf minus 69,8 Punkte und gibt damit den letzten Platz in dieser Kategorie an Rumänien ab.
Eine klare Mehrheit von 81,8 Prozent der Finanzmarktexperten geht weiterhin von einer Senkung der kurzfristigen Zinsen auf Sicht von sechs Monaten in Ungarn aus.

Sonderfrage

Die Sonderfrage im Oktober befasst sich mit den Ergebnissen des letzten G-20 Gipfels, der am 24. und 25. September 2009 in Pittsburgh stattfand. 18 Prozent der befragten Finanzmarktexperten erklären, dass ihre Erwartungen beim Gipfel erfüllt wurden. 8 Prozent geben an, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. 74 Prozent beurteilen den Ausgang des Gipfels als neutral. Die Experten halten die getroffenen Entscheidungen zur Regulierung des Finanzsektors sowie die Reformen der internationalen Finanzinstitutionen als besonders wichtig. Sie bemängeln allerdings, dass das Thema Belebung der Kreditgewährung zu wenig Beachtung erfahren habe. Hinsichtlich der Relevanz des G-20 Gipfels für die CEE-Region sind sich die Experten uneinig. Der Gipfel wird von 32 Prozent der Umfrageteilnehmer als relevant aber auch von 32 Prozent als irrelevant für die CEE-Region beurteilt.

Ablauf der Umfrage und Methodologie

Der Finanzmarkttest CEE ist eine monatliche Umfrage unter Finanzmarktexperten, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, mit Unterstützung der Erste Group Bank AG, Wien, durchführt. Ziel der Umfrage ist es, Indikatoren für das allgemeine Konjunkturklima für die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) sowie Österreich zu entwickeln. Zur CEE-Region zählen Bulgarien, Kroatien, die Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, Serbien, die Slowakei und Slowenien. Im Einzelnen werden die Finanzmarktexperten nach der Beurteilung der aktuellen konjunkturellen Lage sowie nach ihren mittelfristigen Erwartungen für die entsprechenden Volkswirtschaften befragt sowie nach ihrer Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Inflationsrate, der kurz- und langfristigen Zinsen, der Aktienkurse und der Wechselkurse auf Sicht von sechs Monaten. Die Experten geben bei ihren Antworten qualitative Tendenzeinschätzungen bezüglich der Veränderungsrichtung ab. Bei den beurteilten Volkswirtschaften handelt es sich um die Regionen Mittelund Osteuropa und den Euroraum sowie die Tschechische Republik, Polen, Ungarn, die Slowakei, Kroatien, Rumänien und Österreich. Detaillierte Ergebnisse zu den einzelnen mittel- und osteuropäischen Staaten sowie zu Österreich enthält der "Financial Market Report CEE", der monatlich erscheint.

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Dr. Mariela Borell, Telefon: 0621/1235-144, E-Mail: borell@zew.de