Inflationsziel der EZB wird bis 2024 weit verfehlt

Forschung

Die Inflationsrate im Euroraum dürfte im Zeitraum 2022 bis 2024 das EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent deutlicher übersteigen als bisher angenommen. So werden für die Jahre 2022, 2023 bzw. 2024 im Median Inflationsraten von 7,5 Prozent, 4,5 Prozent bzw. 3,0 Prozent erwartet. Im Mai 2022 betrugen die entsprechenden Prognosen noch 6,3, 3,5 bzw. 2,5 Prozent. Insbesondere die Entwicklungen der Energie- und Rohstoffpreise sowie der Löhne im Euroraum aber auch die Geldpolitik der EZB führten zu den gestiegenen Inflationserwartungen. Einzig die konjunkturelle Entwicklung im Eurogebiet wird aktuell eher bremsend für die Inflationsentwicklung gesehen. Diese Ergebnisse liefert die Sonderfrage zum ZEW-Finanzmarkttest August 2022. Darin äußerten die Befragten ihre Einschätzung zu den Entwicklungen von Inflation in der Eurozone innerhalb der Jahre 2022 bis 2024.

Im August 2022 erwarten die Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten für die Jahre 2022, 2023 bzw. 2024 im Median Inflationsraten von 7,5, 4,5 bzw. 3,0 Prozent. Im Vergleich zu den letzten beiden Sonderfragen zur Inflation in der Eurozone im Februar und Mai 2022 fallen die Prognosen deutlich höher aus. So wurden im Mai 2022 für die Jahre 2022 bis 2024 im Median noch Inflationsraten von 6,3, 3,5 bzw. 2,5 Prozent erwartet. Im Februar 2022 betrugen die entsprechenden Prognosen noch 3,9, 2,5 und 2,1 Prozent.

Entwicklungen der Energie- und Rohstoffpreise sowie der Löhne im Euroraum treiben die Inflation

Insbesondere die Entwicklungen der Energie- und Rohstoffpreise sowie der Löhne im Euroraum führten zu den gestiegenen Inflationserwartungen. Rund 77, 63 bzw. 66 Prozent der befragten Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten gaben an, dass sie aufgrund dieser Entwicklungen ihre Inflationsprognosen angehoben haben.

Auch die Geldpolitik der EZB wird von den Befragten aktuell als eher inflationär, also zu expansiv, eingeschätzt. Während nur rund 25 Prozent der Expertinnen und Experten ihre Inflationsprognosen aufgrund geldpolitischer Entwicklungen nach unten revidiert haben, geben dagegen rund 43 Prozent an, diese deswegen stark bzw. leicht angehoben zu haben. Für die verbleibenden knapp 32 Prozent hatte die Geldpolitik der EZB keinen Einfluss auf ihre Inflationsprognosen.

Laut Einschätzung einiger Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten war die Entwicklung der Konjunktur im Eurogebiet in den letzten drei Monaten eine Bremse für die Inflation. So gaben rund 38 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Inflationsprognosen für den Zeitraum 2022 bis 2024 aufgrund dieser nach unten korrigiert haben.

„Zwar erwarten die Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten weiterhin, dass sich die Inflation in den nächsten beiden Jahren verlangsamen wird. Allerdings entfernen sich die Prognosen der Expertinnen und Experten seit mehreren Quartalen immer weiter von der EZB-Zielmarke von 2,0 Prozent. Die stark gestiegenen Inflationserwartungen sind zu einem großen Teil auf die Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen zurückzuführen. Für rund 43 Prozent der befragten Expertinnen und Experten trägt die EZB allerdings mit einer zu expansiven Geldpolitik selbst zur Inflation bei.“ kommentiert Dr. Frank Brückbauer, Advanced Researcher im ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte" das Ergebnis.