Der Markt für private Immobilienfinanzierungen zeichnet sich durch beträchtliche internationale Unterschiede aus. Während in einigen Ländern z.B. in den USA und im Vereinigten Königreich variabel verzinste Darlehen mit hohen Beleihungsgrenzen dominieren, werden in Deutschland typischerweise Festzinsdarlehen mit Laufzeiten von bis zu 10 Jahren ausgereicht. Die im internationalen Vergleich niedrigen maximalen Beleihungsgrenzen von 60 Prozent des Verkehrswertes im erstrangigen Beleihungsraum werden als eine mögliche Ursache für die niedrige Wohneigentumsquote insbesondere junger privater Haushalte in Deutschland angesehen. Daran knüpfen sich Forderungen nach einer flexibleren, an den angloamerikanischen Usancen orientierten Kreditvergabepraxis, die auch jungen Haushalten mit wenig Eigenkapital den Zugang zum Wohneigentum eröffnet. Andererseits werden die sprunghaften Steigerungen der Immobilienpreise in den USA und im Vereinigten Königreich (die vielfach als Immobilienpreisblase bezeichnet werden) häufig gerade mit den Eigenschaften der dortigen Hypothekarkreditmärkte begründet. Insbesondere werden die Möglichkeiten, mit wenig Eigenkapital zu finanzieren, bei Wertsteigerungen der Immobilien zusätzliche Hypotheken aufzunehmen und damit zusätzliche Ausgaben zu finanzieren (equity mortgage withdrawal), als wesentlicher Treiber der privaten Konsum- und Immobiliennachfrage angesehen. Darüber hinaus spiegelt sich die höhere Flexibilität der Hypothekarkreditmärkte in diesen Ländern in einem im Vergleich zu Deutschland unter sonst gleichen Bedingungen oft höheren Zinsniveau wider. Vor diesem Hintergrund sollen folgende Fragen untersucht werden: Welche Finanzierungsrestriktionen bestehen für deutsche private Haushalte in Bezug auf den Erwerb von Wohneigentum im internationalen Vergleich? Werden tatsächlich höhere Eigenkapitalanforderungen als in anderen Ländern (beispielhaft USA und Vereinigtes Königreich) gestellt? Wie hoch sind die effektiven Finanzierungskosten im Vergleich? Sind die Unterschiede in bestimmten Gruppen (junge Haushalte mit niedrigen Einkommen, ältere Haushalte) besonders groß? Welche neuen Entwicklungen gibt es in der Immobilienfinanzierung und in der Hypothekenrefinanzierung? Wie werden diese Entwicklungen den Markt voraussichtlich beeinflussen? Wie wird sich die fortschreitende europäische Harmonisierung auf die Märkte auswirken? Lässt sich aus dem internationalen Vergleich und den erkennbaren Entwicklungstendenzen Reformbedarf für Deutschland ableiten? Wie können ggf. vorhandene Finanzierungsrestriktionen gelockert werden und zugleich die Gefahren spekulativer Fehlentwicklungen (Blasenbildung) gemieden werden?