Die digitale Ökonomie stellt die Politik im Hinblick auf Innovationen, Wettbewerb und Regulierung vor enorme Herausforderungen. Wie können digitale Märkte angemessen reguliert, wie Innovationen gefördert und gleichzeitig der Wettbewerb fair ausgestaltet werden? Diese und viele weitere Fragen diskutierten rund 190 Teilnehmer/innen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft bei der diesjährigen Jahreskonferenz des Mannheim Centre for Competition and Innovation (MaCCI) am ZEW Mannheim.

Profilfoto von Prof. Frédéric Jenny.
Prof. Frédéric Jenny in seiner Keynote zu aktuellen Herausforderungen des Wettbewerbsrechts und der Wettbewerbspolitik in digitalen Märkten.

Nach zwei virtuellen Ausgaben seit Beginn der Corona-Pandemie lockte das hybride Veranstaltungsformat viele Teilnehmende nach Mannheim, die sich auf persönlichen Austausch freuten. So nahmen rund 120 Personen vor Ort teil und etwa 70 Gäste schalteten sich virtuell hinzu. Damit war die elfte auch die größte MaCCI-Konferenz, die jemals am ZEW in Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim organisiert wurde.

Digitale Märkte als besondere Herausforderung für Wettbewerbspolitik

Am ersten Konferenztag lag der Fokus auf verschiedenen Aspekten der digitalen Ökonomie, Innovationsökonomik und Marktstruktur. Frédéric Jenny, Vorsitzender vom OECD-Wettbewerbsausschuss und Professor an der ESSEC Business School, thematisierte in seiner Keynote die aktuellen Herausforderungen des Wettbewerbsrechts und der Wettbewerbspolitik in digitalen Märkten. Er betonte, dass die aktuell als relevant deklarierten Märkte nicht diejenigen Märkte seien, welche die Aufmerksamkeit der Wettbewerbsbehörden auf sich ziehen sollten. Konzentration in diesen Märkten seien schlechte Indikatoren für Marktmacht. Eine bessere Herangehensweise wäre es, den Fokus auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen zu legen; diese wären unter anderem von Transaktionskosten und Netzwerk-Externalitäten getrieben. Darüber hinaus betont er, dass Wettbewerbsbehörden bei der Evaluation von Marktmacht in digitalen Märkten dynamische Effizienzen und Datenverfügbarkeit als Eintrittsbarrieren zu wenig berücksichtigen.

Kritische Einschätzung zum Digital Markets Act in der Panel-Diskussion

In der folgenden Panel-Diskussion mit dem Titel „The DMA – A Critical Appraisal“ diskutierten Silke Hossenfelder (Abteilungsleiterin für Grundsatzfragen des Kartellsrechts beim Bundeskartellamt), Inge Graef (Professorin für Wettbewerbsrecht an der Universität Tilburg, Niederlande) und Simonetta Vezzoso (Professorin an der Universität Trient, Italien) gemeinsam mit Professor Jens-Uwe Franck von der Universität Mannheim & MaCCI, der das Panel organisiert hatte und moderierte. Die Diskussionsrunde betonte, der Digital Markets Act (DMA) sei Teil eines größeren Gesetz-Konstrukts zur Regulierung digitaler Märkte. Es sei jedoch kein Gesetz zu Kartellrechtsbestimmungen im herkömmlichen Sinne, sondern als komplementäre Regulierung zur bestehenden Gesetzgebung zu verstehen. Darüber hinaus unterscheide sich das DMA auch in anderen Dimensionen von vielen Gesetzen, beispielsweise sei die Beweislast für sogenannte Gatekeeper – Betreiber zentraler Plattformdienste – umgedreht: Tech-Giganten müssen nachweisen, dass sie die Regeln aus dem DMA einhalten. Dies leite eine neue Art der Regulierung ein. Die Vorträge führten direkt zu einer spannenden Diskussion des Panels mit dem Publikum.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden des OPEC-Kartells?

John Asker während seines Vortrags zum Schaden durch das OPEC-Kartell.

Der zweite Konferenz-Tag beinhaltete spannende Vorträge zu Themen wie vertikale Marktstrukturen, Umweltökonomie, Markups oder Common Ownership. In der Keynote präsentierte Professor John Asker von der University of California (UCLA) in den USA Ergebnisse aus einer gemeinsamen Studie mit Professor Allan Collard-Wexler (Duke University, USA) und Professor Jan De Loecker (KU Leuven, Belgien). Die Ko-Autoren entwickelten ein ökonomisches Modell, das gleichzeitig Wohlfahrtsverluste und Ineffizienzen in der Produktion zulässt – normalerweise fokussieren sich ökonomische Modelle auf eines der beiden Phänomene. Bei Anwendung des Modells auf das OPEC-Kartell können die Ökonomen zeigen, dass der Schaden des OPEC-Kartells im Jahr 2014 einer weltweiten Ertragssteuer in Höhe von etwa 0,15 Prozent oder fünf Billionen US-Dollar entspricht. Nach seiner Präsentation beantwortete John Asker zahlreiche interessierte Fragen aus dem Publikum.

Über MaCCI

MaCCI steht für „Mannheim Centre for Competition and Innovation“. MaCCI ist ein Forschungsverbund zwischen dem ZEW und der Fakultät für Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim, der den Austausch zwischen Juristen/-innen und Ökonomen/-innen stärkt und damit in Fragen der Wettbewerbs-, Regulierungs- und Innovationspolitik neue Impulse gibt. Zu den Kernthemen, die im Rahmen von MaCCI untersucht werden, gehören neben vertikalen Wettbewerbsbeschränkungen, Missbrauch von Marktmacht, Fusionskontrolle und der privaten und öffentlichen Durchsetzung des Kartellrechts sowie die Regulierung des Telekommunikations- und Energiesektors.

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Datum

13.04.2022