Ökonomische Kosten von Feiertagen sind überschaubar

Forschung

ZEW-Studie zu den Effekten von Feiertagen auf das Bruttoinlandsprodukt

Der Wegfall eines Arbeitstags senkt die Wirtschaftsleistung messbar; Unternehmen holen jedoch einen Teil der Produktion durch Überstunden und Anpassungen nach, zeigt eine neue ZEW-Studie.

Gesetzliche Feiertage haben einen messbaren, aber begrenzten Effekt auf die Wirtschaftsleistung in Deutschland. So zeigt eine neue Studie des ZEW Mannheim: Ein Feiertag führt, hochgerechnet auf das Gesamtjahr, zu wirtschaftlichen Einbußen zwischen 0,055 und 0,28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). So weisen etwa im verarbeitenden Gewerbe Monate mit einem „Sonntagsfeiertag“ im Schnitt rund drei Prozent höhere Umsätze pro Beschäftigten und etwa 2,5 Prozent mehr Arbeitsstunden auf als Monate, in denen derselbe Feiertag auf einen Werktag fällt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wegfall eines Arbeitstags die Wirtschaftsleistung messbar senkt; aber auch, dass Unternehmen einen Teil der Produktion durch Überstunden und Anpassungen nachholen. Der tatsächliche Effekt dürfte damit etwas moderater ausfallen, als einfache Hochrechnungen nahelegen“, sagt Studienautor Dr. Eduard Brüll, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“. „Feiertage sind somit zwar nicht kostenlos, aber ihre ökonomischen Kosten bleiben überschaubar und lassen Raum für gesellschaftliche Abwägungen.“

Begrenzte, aber reale gesamtwirtschaftliche Effekte

Um die makroökonomische Bedeutung einzuordnen, simuliert die Studie die gesamtwirtschaftlichen Effekte eines zusätzlichen Arbeitstags. Unter der Annahme, dass alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen betroffen sind, liegt der mittlere Effekt bei rund 0,28 Prozent des BIP. Beschränkt man die Wirkung hingegen auf das verarbeitende Gewerbe, ergibt sich ein deutlich niedrigerer Wert von etwa 0,06 Prozent. Der tatsächliche Wert dürfte dazwischen liegen. Feiertage kurbeln in manchen Dienstleistungsbranchen wie dem Gastgewerbe den Konsum an, während andere Bereiche direkt eingeschränkt bleiben.

Natürlicher Testfall durch Sonntagsruhe

Die Studie nutzt eine Besonderheit des deutschen Arbeitsrechts. An Sonn- und Feiertagen gilt weitgehend ein Arbeitsverbot. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, entsteht daher kein zusätzlicher Produktionsausfall. Dieser institutionelle Überschneidungseffekt dient als natürlicher Vergleichsmaßstab.

Datengrundlage

Die Analyse stützt sich auf monatliche Paneldaten aus der Kostenstrukturerhebung des verarbeitenden Gewerbes, die vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wurde und alle 16 Bundesländer von 2005 bis 2019 abdeckt. Die Erhebung liefert Daten auf Unternehmensebene zu Umsatz, Beschäftigung und Arbeitszeiten, die auf Bundesland-Monats-Ebene aggregiert sind.

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