Zwischen Industriepolitik, Plattformökonomie und Künstlicher Intelligenz
Termine und NachrichtenRückblick auf die MaCCI-Jahreskonferenz 2026
Am 19. und 20. März 2026 veranstaltete das Mannheim Centre for Competition and Innovation (MaCCI) am ZEW Mannheim seine 15. Jahreskonferenz. Rund 130 Wissenschaftler/-innen und Praktiker/-innen kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Wettbewerbs- und Innovationsforschung zu diskutieren.
Das diesjährige Programm umfasste zwei Keynote Lectures, mehrere Special Sessions, zu denen die Studienvereinigung Kartellrecht, das Bundeskartellamt und die Europäische Kommission (DG Comp) Vortragende und Diskussionsteilnehmer/-innen eingeladen hatten, sowie eine Vielzahl paralleler Sessions mit Forschungsbeiträgen aus Theorie und empirischer Forschung. Inhaltlich deckte die Konferenz ein breites Spektrum ab, darunter Wettbewerbsrecht, Fusionskontrolle, Plattformmärkte, Innovationsökonomik sowie die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für Wettbewerb und Regulierung.
Am ersten Konferenztag fanden parallele Sessions statt, in denen Wissenschaftler/-innen ihre Arbeiten zu Themen wie Auktionen, Innovation, Marktmacht, Vertragsgestaltung und Verhandlung vorstellten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf aktuellen Entwicklungen in der Wettbewerbspolitik, etwa im Rahmen einer Special Session zu Fusionsfällen beim Bundeskartellamt. Weitere Sessions behandelten unter anderem Oligopoltheorie, Investitionsentscheidungen sowie die Rolle von Umweltpolitik in Transportmärkten. Auch die zunehmende Bedeutung von KI spiegelte sich in mehreren Beiträgen wider, etwa zu algorithmischer Kollusion und zur Funktionsweise von KI-Systemen in Wettbewerbsumfeldern.
Für den Nachmittag hatte die Studienvereinigung Kartellrecht ein Panel zu der Frage organisiert, welche ökonomischen Ansätze in einem zunehmend multipolaren System der Wettbewerbsdurchsetzung geeignet sind. Ergänzend dazu wurden in parallelen Sessions Themen wie Kollusion, Suchmärkte, immaterielle Vermögenswerte und Unternehmensperformance diskutiert.
Jean Tirole über Industriepolitik und Innovation
Ein erster Höhepunkt war die Economic Keynote Lecture, die dieses Jahr von Jean Tirole (Toulouse School of Economics) gehalten wurde. In seinem Vortrag behandelte Tirole den Einfluss von Industriepolitik auf Innovation und diskutierte das Zusammenspiel staatlicher Eingriffe und marktbasierten Wettbewerbs.
Heike Schweitzer Keynote Lecture: Die Grenzen des Kartellrechts im Spannungsfeld von Legitimität und Gerechtigkeit
Ein weiterer Höhepunkt war die Heike Schweitzer Keynote Lecture, gehalten von Cani Fernández Vicién, der Präsidentin der spanischen Wettbewerbsbehörde. In ihrem Vortrag setzte sie sich mit den Grenzen und Möglichkeiten moderner Wettbewerbspolitik auseinander und diskutierte Fragen von Legitimität, Gerechtigkeit und Zurückhaltung im Kartellrecht.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kartellrecht in einem zunehmend komplexen wirtschaftlichen und politischen Umfeld so ausgestaltet werden kann, dass gegebene Normen möglichst effektiv umsetzbar sind. Dabei betonte Fernández Vicién die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes, der ökonomische Analyse mit rechtlichen und gesellschaftlichen Überlegungen verbindet.
Zweiter Konferenztag: Plattformmärkte, Fusionen und digitales Verhalten
Der thematische Fokus am zweiten Konferenztag lag auf Plattformmärkten, Fusionskontrolle und Konsumentenverhalten. In mehreren Sessions wurden aktuelle Fragen zu Plattform-Governance, strategischem Konsumentenverhalten sowie zur Wirkung von Unternehmensübernahmen sowie datengetriebene Geschäftsmodelle diskutiert. Weitere Sessions behandelten Themen wie algorithmisches Design, Wettbewerb zwischen Plattformen sowie das Verhalten von Konsumenten in Online-Märkten.
Ein Panel der Studienvereinigung Kartellrecht widmete sich insbesondere nicht-preislichen Wettbewerbsbeschränkungen, etwa No-Poach-Vereinbarungen und Fragen der Innovationskonkurrenz. Darüber hinaus bot eine Special Session der Europäischen Kommission (DG COMP) Einblicke in aktuelle Fallpraxis, unter anderem im Bereich großer Fusionen und digitaler Märkte.