Bessere Anreize für lokalen Klimaschutz
Lokaler Klimaschutz gelingt nicht allein durch staatliche Regulierung. Auch nichtstaatliche Akteure wie Kommunen, Unternehmen, zivilgesellschaftliche Gruppen sowie Bürgerinnen und Bürger können einen wichtigen Beitrag leisten – etwa durch freiwilliges Engagement, vorbildliches Verhalten und die Stärkung sozialer Normen. Das Forschungsprojekt NostaClimate untersucht, welche Rolle diese Akteure für Klimapolitik und individuelle Klimaschutzaktivitäten spielen und wie sie dazu beitragen können, die Lücke zwischen politischen Klimazielen und konkretem Handeln vor Ort zu schließen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Anreize Menschen motivieren, sich selbst für den Klimaschutz zu engagieren.
Praxispartner
- Bundesgartenschau 2023 (Stadt Mannheim)
Natürliche Verbündete: Wie Ökosysteme den lokalen Klimaschutz in Kommunen stärken
Angesichts globaler Klimaveränderungen gewinnt die Bereitschaft zum lokalen Handeln an Bedeutung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Nutzung und dem Erhalt lokaler natürlicher Ökosysteme, die neben dem Klimaschutz eine Reihe wichtiger Aufgaben im Umwelt- und Artenschutz übernehmen.
Am Beispiel eines lokalen Aufforstungsprojekts in Kooperation mit der Stadt Mannheim zeigt sich in einer Onlineumfrage, dass für die lokale Bevölkerung natürliche Ökosysteme eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen: Die Bereitschaft, sich in Baumspenden zu engagieren war deutlich größer als die Bereitschaft zum freiwilligen CO2-Ausgleich durch Stilllegung von Zertifikaten aus dem dem europäischen Emissionshandel.
Was städtischer Klimaschutz bei Bürgerinnen und Bürgern bewirkt
In einem Folgeprojekt haben wir die Rolle der Vorbildfunktion von Städten und Kommunen im lokalen Klimaschutz untersucht. Eine zentrale Idee dabei: Durch eigene klimabezogene Aktivitäten können sie nicht nur ihre Umweltorientierung unter Beweis stellen, sondern auch das individuelle Klimaschutzengagement ihrer Bürgerinnen und Bürger fördern.
Die ökonomische Theorie gibt jedoch zu bedenken, dass diese Strategie nicht immer so vielversprechend ist, wie es zunächst den Anschein haben könnte. Da Städte und Kommunen zahlreiche dieser Initiativen auch aus Steuergeldern finanzieren, könnten ihre Beiträge aus Sicht der Bevölkerung als Ersatz für eigenes Engagement wahrgenommen werden – und freiwillige private Beiträge zum Klimaschutz so verdrängen.
Die verhaltensökonomische Forschung zeigt jedoch, dass soziale Normen und Vorbilder oft einen positiven Einfluss auf das eigene Verhalten haben. Ob dies auch beim städtischen Klimaschutz gilt, ist bislang eine offene Frage. Um diese zu beantworten, haben wir eine experimentelle Feldstudie mit rund 500 Bürgerinnen und Bürgern in Mannheim durchgeführt. Dabei haben wir untersucht, ob Informationen über das Klimaschutzengagement der Stadt das eigene Spendenverhalten beeinflussen.
Das Ergebnis ist ermutigend: Städtisches Engagement verdrängt private Beiträge nicht. Wirksamer ist allerdings der Verweis auf das Engagement anderer Mitbürgerinnen und Mitbürger – er motiviert vor allem Menschen, die dem Klimaschutz bislang weniger Priorität eingeräumt haben.
Was bedeutet dies für die Praxis? Städte und Kommunen sollten im Klimaschutz gezielt auf das Verhalten der Stadtgemeinschaft hinweisen: Wenn Menschen erfahren, dass ihre Nachbarinnen und Nachbarn sich für den Klimaschutz einsetzen, steigt die Bereitschaft selbst aktiv zu werden. Gerade für die Ansprache von Menschen, die dem Thema bislang weniger aufgeschlossen gegenüberstehen, könnte diese Art der Kommunikation ein effektiver Hebel sein.
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