Öffentliche Kindertagesbetreuung wird in Deutschland im internationalen Vergleich recht wenig genutzt. Es fehlt nach wie vor an ausreichenden Angeboten insbesondere im frühkindlichen Bereich. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, werden derzeit zusätzliche Mittel für eine Ausweitung des Angebots an Kindertagesbetreuung bereitgestellt. Ziel ist, bis 2013 den Bedarf an öffentlicher Betreuung zu decken. Für diesen Zeitpunkt ist außerdem die Einführung eines Betreuungsgeldes geplant, wodurch Eltern, die keine öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung in Anspruch nehmen, einen monetären Transfer für ihre eigene Erziehungsarbeit erhalten würden. Diese Maßnahme soll die Wahlfreiheit der Eltern zwischen eigener und externer Betreuung gewährleisten. Unser Beitrag geht der Frage nach, welche Wirkungen von der Einführung eines Betreuungsgeldes in Deutschland zu erwarten sind. Dabei betrachten wir insbesondere die folgenden Größen: i) Arbeitsangebot, ii) Umfang der externen, öffentlich geförderten Kindertagesbetreuung, iii) Intensität der Kinderbetreuung innerhalb der Familie, iv) Haushaltseinkommen und v) fiskalische Kosten. Um die potenziellen Wirkungen bei gleichzeitigem Ausbau der öffentlich geförderten Kinderbetreuung ex ante abzuschätzen, nutzen wir basierend auf den Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) das Instrument der Mikrosimulation. Unser strukturelles Modell schätzt die Inanspruchnahme des Betreuungsgeldes und das Arbeitsangebot von Müttern und Vätern simultan und berücksichtigt eine mögliche Rationierung der Eltern hinsichtlich der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren. Gemäß unserer Simulation würden bei einem bedarfsgerechten Ausbau der Kindertagesbetreuung die Inanspruchnahme und das Arbeitsangebot moderat wachsen. Das Betreuungsgeld hingegen wirkt entgegengesetzt. Es führt zu einer moderaten Abnahme des Arbeitsangebots der Mütter und der Nachfrage nach externer Kinderbetreuung. Eine gleichzeitige Betrachtung dieser beiden Entwicklungen resultiert in einem insgesamt fallenden Arbeitsangebot, wobei 5,1% der Mütter ihr Arbeitsangebot ausweiten und 8,1% weniger aktiv auf dem Arbeitsmarkt wären. Auch in Bezug auf die Inanspruchnahme von öffentlicher Betreuung überwiegt der negative Effekt des Betreuungsgeldes. Die Inanspruchnahme von öffentlicher Betreuung sinkt um 4,1 Prozentpunkte. Zwar verbessert sich mit dem Betreuungsgeld die Einkommensposition bildungsferner Familien, gleichzeitig stärkt es aber in diesen Familien auch die bereits bestehende Neigung Kleinkinder zu Hause zu betreuen.

Schlagworte

Behavioral Microsimulation, Day Care, Family Policy, Germany