Die globalen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen werden häufig als Bedrohung für die weltwirtschaftliche Stabilität angesehen. Ausgehend davon wird argumentiert, dass die Überschussländer wie China deshalb ihre Währung aufwerten sollen, um diese stabilitätsgefährdenden Ungleichgewichte abzubauen. Die Studie trägt zu dieser Debatte bei, indem sie untersucht, welche Auswirkungen ausgeprägte und dauerhafte nominale und reale Wechselkursaufwertungen auf die Leistungsbilanz und weitere makroökonomische Schlüsselgrößen wie Wirtschaftswachstum, Investitionen und Ersparnisse sowie den Außenhandel haben. Das Vorgehen ist wie folgt. In einem ersten Schritt werden historische Episoden starker Aufwertungen in einem 128 Länder umfassenden Querschnitt mit Beobachtungen über die Jahre 1960 bis 2008 anhand folgender Kriterien definiert: Sowohl der nominale als auch reale effektive Wechselkurs eines Landes werten um mindestens 10 Prozent auf und die reale Aufwertung hatte mindestens fünf Jahre Bestand. Entsprechend dieser Kriterien können insgesamt 25 Episoden in dem vorliegenden Datensatz identifiziert werden. In einem nächsten Schritt wird untersucht, welche Auswirkungen der Eintritt in eine Episode ausgeprägter Wechselkursänderungen auf die Leistungsbilanz, das BIPWachstum, die Ersparnisse, die Investitionen, die Exporte und die Importe ausübt. Zu diesem Zweck schätzt die Studie ein dynamisches Panel-Modell, das um Impulsdummies erweitert wird. Die Ergebnisse zeigen, dass signifikante makroökonomische Reaktionen mit starken Währungsaufwertungen verbunden sind. Die Leistungsbilanz fällt signifikant und der negative Effekt der Währungsaufwertung entfaltet nach drei Jahren seine stärkste Wirkung. Die Ersparnisse geben deutlich und lang anhaltend nach, während die Investitionen zunächst steigen, der Währungseffekt aber schnell ausläuft. Die Outputreaktion ist zunächst positiv und verläuft anschließend insignifikant. Die Exporte reagieren mit ihrem Einbruch wie zu erwarten und die Importe insignifikant. Eine Trennung der Beobachtungen nach dem Status des Pro-Kopf-Einkommens zeigt, dass die Effekte in Entwicklungsländern stärker und signifikanter sind als in entwickelten Ländern.

Kappler, Marcus, Helmut Reisen, Moritz Schularick und Edouard Turkisch (2011), The Macroeconomic Effects of Large Exchange Rate Appreciations, ZEW Discussion Paper No. 11-016, Mannheim. Download

Autoren

Kappler, Marcus
Reisen, Helmut
Schularick, Moritz
Turkisch, Edouard

Schlagworte

current account adjustment; global imbalances; exchange rate changes