Gründungen und junge Unternehmen führen neue Produkte in den Markt ein und etablieren neue Herstellungsprozesse. Um Produkt- und Prozessinnovationen zu entwickeln, führen Unternehmen häufig Forschungs-und Entwicklungsaktivitäten (FuE) durch, zu deren Finanzierung sie umfangreiche Finanzmittelbenötigen. Die Innenfinanzierungskraft junger Unternehmen ist aufgrund geringer Umsätze und nichtvorhandener Gewinnrücklagen aus früheren Jahren allerdings beschränkt Bei eingeschränkten Möglichkeiten zur Innenfinanzierung können Kredite Restriktionen bei der Finanzierung von FuE-Aktivitäten abbauen. Doch auch ein umgekehrter Einfluss von FuE auf die Kreditfinanzierung lässt sich begründen: Die Fähigkeit junger Unternehmen, an externe Finanzierungsquellen zu gelangen, hängt u.a. von der Aussicht auf zukünftiges Wachstum ab, die durch FuE geschaffen werden kann. Andererseits fließen FuE-Ausgabenüberwiegend in immaterielle Vermögenswerte, die i.d.R. nicht als Ausfallsicherheiten dienen können, was die Möglichkeiten zur Kreditfinanzierung einschränkt.

Im vorliegenden Papier wird der interdependente Zusammenhang zwischen FuE und Kreditfinanzierungempirisch untersucht. Dabei verwenden wir Daten der ersten beiden Befragungswellen des KfW/ZEW Gründungspanels, eines einmaligen Datensatzes zu jungen Unternehmen in Deutschland, die im Zeitraum von 2005 bis 2008 gegründet wurden. Deskriptive Ergebnisse zeigen, dass 20% der jungen Unternehmen Kreditfinanzierung nutzen, während 13% der Unternehmen eigene FuE-Aktivitäten betreiben. Im deskriptiven, bivariaten Vergleich weisen darüber hinaus Unternehmen ohne FuE-Ausgaben einen höheren Anteil der Kreditfinanzierung an der Gesamtfinanzierung auf als FuE-treibende Unternehmen.

In einem ersten Schritt schätzen wir Eingleichungsmodelle, die zum einen den Kreditfinanzierungsanteil und zum anderen die FuE-Intensität, definiert als Verhältnis der FuE-Ausgaben zum Umsatz, erklären. Der Kreditfinanzierungsanteil wird im Wesentlichen bestimmt von unternehmensspezifischen Größen, wie sie aus traditionellen Theorien der Unternehmensfinanzierung abgeleitet werden (Trade-off-Theorie, Pecking-Order-Theorie). Charakteristika der Gründer spielen nur eine geringe Rolle bei der Erklärung der Kapitalstruktur. Die FuE-Intensität wird hingegen sowohl von Unternehmensspezifika als auch von Eigenschaftender Gründerpersonen bestimmt. In den Eingleichungsmodellen zeigt sich weder ein Einfluss der FuE Intensität auf den Kreditfinanzierungsanteil, noch ist ein Effekt in die umgekehrte Richtung festzustellen.

Um die Interdependenz zwischen FuE und Kreditfinanzierung zu berücksichtigen, schätzen wir in einemzweiten Schritt ein simultanes Gleichungsmodel. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Koeffizienten der exogenen Variablen zwischen den Eingleichungsmodellen und dem Zweigleichungsmodell kaum unterscheiden. Allerdings belegt das simultane Gleichungsmodell, dass ein signifikant positiver, interdependenter Zusammenhang zwischen dem Kreditfinanzierungsanteil und der FuE-Intensität besteht. Im Zweigleichungsmodellsind unbeobachtbare, zufällige Schocks negativ zwischen den Gleichungen korreliert. Als Reaktion auf einen negativen Schock senken Unternehmen beispielsweise ihren Kreditfinanzierungsanteil und reduzieren gleichzeitig ihre FuE-Aktivitäten.

Fryges, Helmut, Karsten Kohn und Katrin Ullrich (2012), The Interdependence of R&D Activity and Debt Financing of Young Firms, ZEW Discussion Paper No. 12-016, Mannheim, erschienen in: Journal of Small Business Management. Download

Autoren

Fryges, Helmut
Kohn, Karsten
Ullrich, Katrin

Schlagworte

innovation financing, capital structure, start-ups, KfW/ZEW Start-up Panel, Germany