Der Bologna Prozess wurde von den EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 1999 mit dem Ziel eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes beschlossen. Der Kern dieser Reform besteht darin, die unterschiedlichen nationalen Hochschulabschlüsse durch europaweit homogene Bachelor- und Masterabschlüsse zu ersetzten. Die vergleichbaren Abschlüsse sollen die Mobilität von Studenten und Hochschulabsolventen fördern sowie Wettbewerb zwischen den Hochschulen herstellen, um so den innereuropäischen Wettbewerb zu stärken.

In einigen Ländern soll die Reform auch dazu genutzt werden, die Anzahl der Hochschulabsolventen zu erhöhen, um so dem drängenden Problem des Fachkräftemangels entgegen zu wirken. In Deutschland, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern, kann der berufsqualifizierende Bachelor-Abschluss in kürzerer Zeit erworben werden und ist somit sowohl für die Studenten als auch für den Staat kostengünstiger als die bisherigen nationalen Hochschulabschlüsse. Dies könnte dazu führen, dass mehr Studenten ein Hochschulstudium aufnehmen und auch einen Hochschulabschluss erwerben. Andererseits sind die Bildungsrenditen der neuen Hochschulabschlüsse noch nicht bekannt. Entsprechend der Humankapitaltheorie sind direkte und indirekte Kosten in der Tat eine wichtige Determinante für die Wahl eines Hochschulstudiums. Daher ist vorab unklar, ob die Reform einen Effekt auf die Zahl der Studienanfänger oder auf die Zahl der Studienabbrecher hat.

Bisher besteht nur wenig Evidenz zur Wirkung der Bachelor Einführung auf die Zahl der Studienanfänger und Studienabbrecher, da die Reform erst kürzlich umgesetzt wurde. Anhand von neu verfügbaren administrativen Daten aller Studenten Deutschlands von 1998 bis 2006 können wir erstmals in diesem Artikel die kurzfristigen Effekte der Einführung des Bachelor-Abschlusses auf die Zahl der Studienanfänger und Studienabbrecher auf Fachbereichsebene schätzen. Für die Identifikation dieser Effekte nutzen wir die zeitlichen Unterschiede, mit der die Fachbereiche auf die neuen Bachelor Abschlüsse umgestellt haben.

Die Ergebnisse zeigen für die meisten Fächer keine signifikanten Auswirkungen der Reform auf die Zahl der Studienanfänger als auch auf die Zahl der Studienabbrecher. Die Reform scheint also die Anreize zur Aufnahme eines Studiums in der Regel nicht verändert zu haben. Ausnahmen sind jedoch die Fächer Elektrotechnik, Bau- und Machinenbauingenieurwesen sowie Physik. In diesen Fächern hat sich die Anfängerzahl im Zuge der Reform signifikant verringert. Eine mögliche Interpretation dazu ist, dass die Studenten dieser Fächer die neuen Abschlüsse meiden, da die bisherigen deutschen Diplom-Abschlüsse in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern einen sehr guten Ruf genießen. Dieses strategische Verhalten der Studenten kann allerdings nur in der Übergangsphase der Reform auftreten, so dass die langfristigen Effekte sowohl auf die Zahl der Anfänger als auch auf die Zahl der Abbrecher von den hier beschriebenen Ergebnissen abweichen können.

Schlagworte

Higher Education, College Enrollment, Drop-out, Bologna Process