Seit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes Ende der neunziger Jahre sehen sich frühere regionale Monopolisten neu eingetretenen Konkurrenten gerade in Endverbrauchermärkten gegenüber. Der Monitoringbericht 2008 der Bundesnetzagentur zeigt, dass viele Jahre nach der Liberalisierung etwa 60 Prozent der Haushalte noch keinen Vertragswechsel durchgeführt haben. Diese Haushalte werden durch sogenannte Grundversorgungsverträge des größten Anbieters im Markt versorgt. Grundversorgungsverträge werden wegen der geringen Wechselbereitschaft der Haushaltskunden meist zu signifikant höheren Preisen angeboten als wettbewerbliche Verträge. In diesem Papier untersuchen wir die Frage, ob daher Grundversorgungsvertragspreise genutzt werden, um den regionalen Wettbewerb um Haushaltskunden zu beeinflussen.

Wir zeigen in einem einfachen theoretischen Modell, dass die Anzahl der Wettbewerb bzw. die Entscheidung in einen Markt einzutreten durch die Höhe des Preises des Grundversorgungsvertrags beeinflusst werden kann. Mit einem niedrigeren Grundversorgungspreis kann einerseits der Nutzen für Nachfrager aus einem Wechsel zu einem alternativen Vertrag verringert werden. Daher könnte sich ceteris paribus der Markteintritt für weniger effiziente Wettbewerber nicht lohnen und man sollte eine geringere Anzahl von Wettbewerbern erwarten. Der Erfolg eines niedrigeren Preises ist allerdings vom Verhalten der Nachfrager abhängig: Ein niedrigerer Standardvertragspreis resultiert in einer geringeren Preis-Kosten-Marge, macht den Standardvertrag allerdings attraktiver für Nachfrager.

Im nächsten Schritt untersuchen wir empirisch, inwieweit eine solche Limit Pricing Strategie der Grundversorger existiert. Dazu verwenden wir Daten für alle deutschen Strommärkte für Haushaltskunden und kontrollieren für regionale Einflussfaktoren wie Nachfragerkonzentration, Kaufkraft, Netzcharakteristika und das regulierte Netznutzungsentgelt, die Durchleitungsgebühr für Strom. Unsere Schätzergebnisse zeigen einen hoch signifikanten Einfluss des Preises des Grundversorgungsvertrags auf die Anzahl der angebotenen Verträge und die Anzahl der neuen Anbieter für Haushaltskunden mit geringem Verbrauch. Für das Kundensegment mit höherem Verbrauch sind keine Effekte zu beobachten. Unsere Ergebnisse stützen darüber hinaus die aus der theoretischen Literatur bekannte Hypothese, dass ein höheres (reguliertes) Netznutzungsentgelt einen negativen Einfluss auf die Anzahl der Wettbewerber im nachgelagerten Markt hat. Anbieter, die trotz eines höheren Netznutzungsentgeltes in den Markt eintreten, bieten ceteris paribus mehr Verträge an und schließen damit die Lücke aus einer niedrigeren Zahl an Wettbewerbern. Wir können daher zeigen, dass neben den Netznutzungsentgelten hohe relative Wechselkosten und das strategische Verhalten der ehemaligen Monopolisten die Markteintritte beeinflussen können.

Schlagworte

barrier to entry, first-mover advantage, price discrimination