Diese empirische Forschungsarbeit untersucht die Attraktivität von europäischen Finanzzentren. Damit soll diese Arbeit zu einem weiteren Verständnis des Organisationsverhaltens von Finanzintermediären beitragen. Es werden Erkenntnisse zum Entscheidungsprozess von Marktakteuren gewonnen, die gesamtwirtschaftliche Folgen für eine Volkswirtschaft haben. Die Ergebnisse bieten einen Einblick in die Ansichten von Marktteilnehmern zu Faktoren, die die standortbezogene Attraktivität eines Finanzzentrums über die Zeit beeinflussen können. Dabei werden die Einschätzungen vor, während und nach der Finanzkrise berücksichtigt. Die Beurteilung der Attraktivität wird durch Einschätzungen zu zentralen Einflussfaktoren erklärt.

Insbesondere zeigen die Ergebnisse, dass die Konzentration im Cluster mit einem schnellen Informationsaustausch in dichten sozialen Netzwerken einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Im Vergleich scheint ein vorhandener Pool an spezialisierten Arbeitskräften, die nicht konzentriert vorhanden sind, irrrelevant zu sein, da der Produktionsfaktor Arbeit als relativ mobil in einem zunehmend integrierten Europa angesehen wird. Darüber hinaus hat das Ausmaß staatlicher Unterstützung und die Regulierungsintensität einen starken Einfluss auf die Attraktivitätswahrnehmung, wobei das Besteuerungsniveau auf der Mikroebene hierfür nicht bedeutend ist. Trotz Fortschritten in der Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU, ist der Finanzmarkt nicht vollständig harmonisiert. Interpretationsspielräume können daher in den Mitgliedsländern zu regulatorischer Arbitrage führen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Attraktivität eines Finanzzentrums, im Vergleich zu relativ persistenten Standortfaktoren, im Laufe der Zeit stark variiert. Die Resultate hängen auch nicht vom sozioökonomischen Hintergrund der Marktteilnehmer ab. Marktteilnehmer einer Fondsgesellschaft messen allerdings der Finanzplatzattraktivität eine vergleichsweise stärkere Bedeutung zu.