In Deutschland nutzt über die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren informelle Förderangebote, wie z.B. Eltern-Kind-Gruppen, Kinderturnen oder frühkindliche Musik- und Kunsterziehung. Basierend auf den repräsentativen Mikrodaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht der vorliegende Beitrag, welche Faktoren die Inanspruchnahme informeller Förderangebote bei Kindern im Vorschulalter in Ost- und Westdeutschland beeinflussen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus westdeutschen Haushalten mit höherem Einkommen und höherem mütterlichen Bildungsniveau eher informelle Förderangebote nutzen. Bei Kindern im Alter von 3-5 Jahren haben informelle Förderangebote eher einen komplementären Charakter, d.h., sie ergänzen den Besuch einer Kindertageseinrichtung. Die Analysen weisen ferner auf einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung informeller Förderangebote und dem adaptiven Verhalten von Kindern hin: Kinder, die turnen oder schwimmen, weisen ceteris paribus höhere Entwicklungsmaße auf als Kinder, die keine sportliche Frühförderung erfahren. Unsere Untersuchung leistet damit einen ersten Beitrag für die multivariate Analyse der Inanspruchnahme von informellen Bildungsangeboten ab dem ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt.

Mühler, Grit und C. Katharina Spieß (2008), Informelle Förderangebote - Eine empirische Analyse ihrer Nutzung in der frühen Kindheit, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Sonderheft 11-08, 29-46.

Autoren

Mühler, Grit
Spieß, C. Katharina

Schlagworte

Frühe Kindheit, informelle Förderangebote, Mikrodaten, Nutzung frühkindlicher Förderangebote