Marcel Mauss schrieb 1924, er habe in den Motiven des „archaischen“ Gabentauschs vormoderner Gesellschaften „einen der Felsen gefunden, auf denen unsere Gesellschaften ruhen“ (Mauss, 1990, S.19). Gabenpraktiken bestehen auch in modernen Gesellschaften fort, ohne dass das sozialtheoretische Denken der Gegenwart ihnen ausreichend Beachtung schenken würde. Deshalb wird die ethnologische Gabentheorie mit Fragen des Zusammenlebens, der ökonomischen Regulierung und der Ausgestaltung wohlfahrtsstaatlicher Programme verknüpft. Es wird untersucht, an welcher Stelle Gabensysteme gegenüber Marktsystemen die bessere Wahl darstellen können und wo innerhalb wohlfahrtsstaatlicher Regimes mehr Raum für Interaktionen im Sinne der Gabe gelassen werden sollte. Gabenpraktiken etablieren Kommunikationsformen, schaffen Verhandlungsräume, stiften vertrauensbildende Interaktionen und soziale Beziehungen. Entsprechend ist es auch in modernen Gesellschaften essentiell, diese Praktiken zu erhalten und sie gegenüber den dominanten Ordnungsprinzipien Markt und Staat zu stärken.

Autoren

Frick, Marc

Schlagworte

Gabe, Anerkennung, Vertrauen, Prosozialität, Asymmetrien, Wohlfahrtsstaat, Markt, Marcel Mauss