Die Studie analysiert die Tragfähigkeit griechischer Staatsfinanzen, deren Krise im Mittelpunkt der Diskussionen um den Austritt des Landes aus der Eurozone und die generelle Debatte um die Ausgestaltung und den Zusammenhalt in der Währungsunion steht. Auf Grundlage von ökonometrischen Tests wird im ersten Teil der Studie dargelegt, dass bereits vor dem Jahr 2009 die Solidität der öffentlichen Finanzen in Griechenland stark anzuzweifeln war. Seit Ausbruch der Wirtschafts- und Fiskalkrise hat sich die Situation für Griechenland weiter dramatisch verschlechtert und zusätzlichen Druck zur Herstellung fiskalischer Tragfähigkeit aufgebaut. Es stellt sich daher die Frage, unter welchen Voraussetzungen Griechenland mittel- bis langfristig wieder zu einem solventen Staat werden kann. Um dafür Orientierung zu geben, werden im zweiten Teil der Studie verschiedene Simulationen auf Grundlage eines stilisierten Modells zur Entwicklung der öffentlichen Finanzen in Griechenland über die Jahre 2011 und 2030 durchgeführt. Ein Ergebnis verweist auf die hohe Sensitivität der fiskalischen Schlüsselgrößen bezüglich des Wirtschaftswachstums und der Schuldenzinsen: Eine nur leichte Reduktion der Zinsen oder ein etwas höheres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts als im Basisszenario unterstellt bringt entscheidende Vorteile und hilft, den schuldenstandserhöhenden "Schneeballeffekt" zu vermeiden. Dieser Schnellballeffekt gewinnt im Basisszenario, welches auf Status quo Annahmen baut und die Ausgangsreferenz der Simulationen darstellt, schnell die Überhand und würde zu einem unvermeidbaren Kollaps der öffentlichen Finanzen führen. Da die Stellgrößen "Wachstum" und "Schuldenzinsen" nur bedingt der direkten politischen Steuerung unterliegen, kann die Herstellung der langfristigen fiskalischen Tragfähigkeit nur an einer aktiven Haushaltskonsolidierung ansetzen, verbunden durch eine starke Reduktion der Staatsausgaben. Außerdem sollten für die Planungen des künftigen Staatshaushalts vorsichtige Projektionen zugrunde gelegt werden und berücksichtigt werden, dass kleine Wachstums- und Zinsänderungen große Auswirkungen auf den Schuldenstand und den Schuldendienst haben werden. Erreichbar wäre die mittel- bis langfristige Sanierung des Haushalts über eine günstige Zinsentwicklung, einem etwas stärkeren Wirtschaftswachstum als im Basisszenario sowie einem dauerhaften Überschuss des Primärsaldos. Darauf deuten unsere Ergebnisse eines "Best case"-Szenarios. Im "Worst case"-Szenario hingegen, welches eine simultane Verschlechterung dieser Faktoren unterstellt, wäre ein rascher Staatsbankrott unvermeidbar. Ein einmaliger Schuldenerlass hätte lediglich einen kurzfristigen Effekt und würde ohne weitere Konsolidierungsmaßnahmen die negative Dynamik der Staatsfinanzen zwar verzögern, aber langfristig nicht aufhalten. In einer letzten Simulation betrachten wir die fiskalischen Wirkungen von Risikoaufschlägen auf die Schuldenzinsen griechischer Staatsanleihen. Ein Wegfallen spekulativer Elemente der Risikoprämien würde die Schuldenfinanzierung erleichtern und eine vollständige Reduktion der Risikoaufschläge würde sogar substanziell helfen, den griechischen Staatshaushalt langfristig auf einen tragfähigen Pfad zu bringen.

van Aarle, Bas und Marcus Kappler (2011), Fiscal Adjustment in Greece: In Search for Sustainable Public Finances, ZEW Discussion Paper No. 11-080, Mannheim. Download

Autoren

van Aarle, Bas
Kappler, Marcus

Schlagworte

Greece, euro area, fiscal policy, policy rules, fiscal sustainability