Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Mai 2022 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist diesen Berechnungen zufolge noch einmal kräftig von 7,4 Prozent im April auf 7,9 Prozent im Mai gestiegen.Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

Foto des ZEW-Ökonomen Friedrich Heinemann.
ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann kommentiert die Entwicklung der deutschen Inflationsrate Mai 2022.

„Die Inflation befindet sich jetzt nahe an ihrem Gipfelpunkt. Ab der Jahresmitte wird die Inflationsrate alleine schon aus statistischen Gründen fallen, weil dann die kräftigen Preissteigerungen des ersten Halbjahres 2021 aus dem Vorjahresvergleich herausfallen. Auch wird sich die temporäre Senkung der Energiesteuern für Benzin und Diesel für die nächsten drei Monate preisdämpfend auswirken. Dieser absehbare Rückgang der Inflation darf aber nicht als langfristige Entspannung missverstanden werden. Das EZB-Inflationsziel von zwei Prozent bleibt für Deutschland und die Eurozone in sehr weiter Ferne. Verbraucherinnen und Verbraucher werden mit weiter steigenden Preisen rechnen müssen, weil viele Vorprodukte unvermindert knapp sind und die Großhandelspreise immer noch dramatisch zulegen. Überraschend gute Arbeitsmarktdaten deuten zudem darauf hin, dass auch in Deutschland die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale nun bald Fahrt aufnehmen könnte. Die inflationären Prozesse sind dabei sich zu verstetigen.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im März 2022 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge weiter von 5,1 Prozent im Februar auf 7,3 Prozent im März gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Die sich weiter beschleunigende Inflation ist das Ergebnis eines klassischen Angebotsschocks. Weil sich die Verfügbarkeit von Energie und Lebensmitteln verringert, steigen zwangsläufig die Preise. Die Inflationswerte der kommenden Monate werden noch sehr starke Nerven erfordern. Die Politik sollte in dieser Lage eine klare Kommunikation fahren. Die Botschaft muss lauten: Der Ukraine-Krieg macht uns alle ärmer und ein Kaufkraftverlust ist ökonomisch unvermeidbar. Es ist falsch, dass die Bundesregierung mit ihrem diffusen Hilfsprogramm so tut, als ob der Staat alle Bürgerinnen und Bürger kompensieren könnte. Zu begrüßen im Paket sind die gezielten Hilfen für einkommensschwache Haushalte. Überflüssig sind undifferenzierte Elemente wie das Energiegeld für alle Erwerbstätigen. Die deutsche Fiskalpolitik war schon in der Corona-Krise nicht zielgenau genug. Dieser viel zu kostspielige Ansatz darf sich in der aktuellen Energiekrise nicht wiederholen. Sonst finanzieren wir am Ende die hohen Energiepreise ganz weitgehend durch zusätzliche Staatsverschuldung. Das wäre finanzpolitischer Unsinn.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Februar 2022 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge von 4,9 Prozent im Januar auf 5,1 Prozent im Februar gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Durch den russischen Überfall auf die Ukraine hat sich die Hoffnung auf einen deutlichen Rückgang der Inflation im Jahresverlauf weiter verschlechtert. Der durch den Krieg ausgelöste Preisschub für Energie, Rohstoffe und Getreide wird die ohnehin immer noch hohe Preisdynamik weiter anheizen. Auch steigen die Risiken, dass die Inflation längerfristig hoch bleibt. Der nun einzuleitende rasche Ausstieg aus russischen Gas- und Ölimporten wird Energie in Deutschland auf Dauer verteuern. Hinzu kommen die Folgen steigender Rüstungsausgaben. Diese werden die hohe Auslastung der deutschen Industrie weiter steigern. Dieser zusätzliche Nachfrageimpuls stößt auf einen ohnehin bereits angespannten Arbeitsmarkt mit hohem Fachkräftemangel. All das wird die Löhne und Preise weiter steigen lassen. Ab jetzt treibt auch der Kreml die deutsche Inflation.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Januar 2022 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge nur leicht von 5,3 Prozent im Dezember auf  4,9 Prozent im Januar gefallen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Die Hoffnung auf ein deutliches Absacken der Inflation zum Jahresbeginn hat sich nicht erfüllt. Das war bereits seit einigen Monaten absehbar. Zwar ist die höhere Mehrwertsteuer ab Januar 2021 nun aus dem Vor-Jahresvergleich herausgefallen. Diesem preisdämpfenden Basiseffekt steht aber der sehr starke Anstieg der Strom-, Gas- und Benzinpriese gegenüber. Dieser heizt die Inflation nun weiter an. Der so ausgelöste Preisdruck wird anhalten, weil Unternehmen die viel höheren Beschaffungskosten nun kontinuierlich über Preisanpassungen an die Endverbraucher weitergeben werden. Das Jahr 2022 hat inflationär begonnen und wird es bleiben. Wenig inflationär sind demgegenüber die aktuellen Lohnabschlüsse. Für die Inflationsperspektive ist das vorteilhaft, weil eine Lohn-Preis-Spirale derzeit noch nicht erkennbar ist. Für die Arbeitnehmer/innen bedeutet das aber, dass es auch 2022 für viele Menschen zu Kaufkraftverlusten kommen wird.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im November 2021 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge weiter auf 5,2 Prozent gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Deutschland erlebt den stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten. Die Fünf vor dem Komma ist aber kein Grund zur Panik. Der Novemberwert könnte jetzt schon der Scheitelpunkt des Inflationsschubs sein. Die aktuell deutliche Abwärtskorrektur bei den Ölpreisen und die unausweichlichen neuen Kontakt-Einschränkungen in der vierten Welle werden schon rasch preisdämpfend wirken. Ab Januar ist dazu mit einem statistischen Bremseffekt bei der Inflationsrate zu rechnen, weil die Erhöhung der Mehrwertsteuer aus dem Jahresvergleich herausfällt. So sicher das Absacken der Inflationsrate ab Januar ist, so unklar bleibt, ob Deutschland in den kommenden zwei Jahren wieder mit Inflationsraten in einem Bereich von zwei Prozent rechnen kann. Das entscheidet sich in den kommenden Tarifverhandlungen und letztlich auch im Rat der Europäischen Zentralbank.“

Datum

30.05.2022

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