ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann zur EZB-Entscheidung

Kommentar

„2,5 Prozent liegen immer noch unter dem neutralen Zinsniveau“

Der EZB-Rat hat eine weitere Zinserhöhung vorgenommen. Nach dem letzten großen Zinsschritt um 75 Basispunkte Ende Oktober hat er nun eine weitere Erhöhung um 50 Basispunkte beschlossen. Damit befindet sich der Zins für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der Banken jetzt bei 2,5 Prozent. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Diese Zinserhöhung sollte trotz der Sorgen um die Konjunktur nicht der letzte Schritt gewesen sein. Der Realzins als Differenz zwischen Zinsen und der in den nächsten zwei Jahren erwarteten Inflation befindet sich auch jetzt noch klar im negativen Bereich. Damit liegen die nun erreichten 2,5 Prozent immer noch unter einem neutralen Zinsniveau. Nimmt man die unverändert aufgeblähte Zentralbankbilanz hinzu, dann ist die EZB-Geldpolitik nach wie vor expansiv. Es geht darum, dass der EZB-Rat jetzt durch eine kontinuierliche weitere Straffung verlorengegangene Glaubwürdigkeit zurückgewinnt. Wenn es nicht noch zu einem überraschend scharfen Einbruch der Konjunktur kommt, darf es daher weder bei den Zinserhöhungen noch beim Einstieg in den Bilanzabbau zu Jahresbeginn 2023 irgendein Zaudern oder Zögern geben.“

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