ZEW–CS Finanzmarkttest für die Schweiz - ZEW Credit Suisse Indikator bezüglich der Konjunkturerwartungen fällt mit -10,8 Punkten wieder etwas optimistischer aus als im Vormonat

Konjunkturindikator Schweiz

In der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Zusammenarbeit mit der Credit Suisse durchgeführten Umfrage zeichnen die befragten Finanzmarktexperten bezüglich der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ein weiterhin positives Bild. Auch die Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung hat sich wieder aufgehellt. Der ZEW Credit Suisse Indikator für die Erwartungen bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung steigt auf -10,8 Punkte. 12,3 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mittelfristig mit einer Verbesserung der konjunkturellen Dynamik, während 23,1 Prozent eine geringere Dynamik erwarten. Mit 47,7 Prozent erwarten erneut weniger Umfrageteilnehmer als im Vormonat eine Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro; 10,8 Prozent gehen nun von einer weiteren Abschwächung aus. Nach der erneuten Zinserhöhung der SNB im Dezember sehen 86,2 Prozent der Befragten eine weitere geldpolitische Straffung voraus. Die Inflationserwartungen haben sich kaum verändert, der Indikator liegt bei 18,8 Punkten.

Das Resultat der Umfrage zur aktuellen Wirtschaftslage bestätigt die anhaltende positive Beurteilung der konjunkturellen Situation in der Schweiz. Der Indikator für die gegenwärtige Wirtschaftslage stieg dabei diesen Monat sogar leicht um 0,8 Punkte auf 92,3 Punkte an. Bei den konjunkturellen Erwartungen signalisiert der Indikator mit -10,8 Punkten ähnlich wie im Vormonat eine Verlangsamung der Konjunktur. Allerdings hat sich die Einschätzung im Vergleich zur Dezember-Umfrage mit einem Anstieg um 12,9 Punkte deutlich verbessert. Während 12,3 Prozent der Experten mit einer Verbesserung der konjunkturellen Dynamik rechnen, erwarten 23,1 Prozent eine Verschlechterung. Die Mehrheit der Befragten (64,6 Prozent, d.h. +8,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat), prognostiziert eine unverändert positive Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage während der nächsten sechs Monate.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 14. Dezember 2006 das Zielband für den Dreimonats-Libor um weitere 25 Basispunkte angehoben und damit ihre Entschlossenheit bezüglich der Fortsetzung der graduellen Leitzinsanpassung unterstrichen, obwohl gemäß ihrer Prognose die Inflation über den gesamten Prognosehorizont (bis einschließlich Juni 2009) unter der definitionsgemäß mit Preisstabilität zu vereinbaren Marke von 2 Prozent erwartet wird.

Wie bereits im Vormonat erwartet der überwiegende Anteil der Umfrageteilnehmer (59,4 Prozent), dass die Inflationsrate auf dem niedrigen Niveau der letzten Monate verharrt. Im Dezember lag die Inflationsrate bei nur 0,6 Prozent. Der Inflationsindikator deutet mit einem Stand von 18,8 Punkten eine Erhöhung der Teuerungsrate an. Ein Einflussfaktor könnte hierbei die Erwartung steigender Erdölpreise gewesen sein. Die Finanzmarktexperten gehen nach dem deutlichen Ölpreisrückgang mehrheitlich (54,6 Prozent) von anziehenden Ölpreisen aus - der entsprechende Indikator erhöhte sich um weitere 10,0 Punkte auf 35,8 Punkte.

Bei den kurzfristigen Zinsen weist der Indikator mit 84,7 Punkten (+1,7 Punkte im Vergleich zum Vormonat) eindeutig darauf hin, dass die Mehrheit der Analysten von weiteren Zinserhöhungen durch die SNB ausgeht. Daneben rechnen 12,3 Prozent der Befragten mit einem konstanten Niveau.

Der Indikator der langfristigen Zinsen ist im Vormonatsvergleich um immerhin 9,0 Punkte auf 54,7 Punkte angestiegen. 59,4 Prozent der Befragten erwarten eine Erhöhung der langfristigen Zinsen (+5,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat). 35,9 Prozent rechnen mit einem gleich bleibenden Niveau der langfristigen Zinsen, während nur 4,7 Prozent einen niedrigeren langfristigen Zinssatz prognostizieren. Sowohl im kurz- als auch im langfristigen Zinsbereich erwartet der Großteil der Umfrageteilnehmer (66,1 respektive 71,9 Prozent), dass die Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und der Schweiz unverändert bleibt.

Nach dem Abwertungstrend im vergangenen Jahr sieht ein Großteil der Analysten (47,7 Prozent), wie bereits im Vormonat, mittelfristig eine Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro voraus. Ein deutlich höherer Anteil der Befragten als im Vormonat erwartet eine weitere Abwertung des Frankens zum Euro, dabei handelt es sich jedoch weiterhin um eine Minderheit von 10,8 Prozent. Der entsprechende Indikator sinkt um 13,9 Punkte auf 36,9 Punkte.

Der SMI durchbrach nach einer erfolgreichen Jahresendrallye und einem beeindruckenden Start ins neue Jahr in der zweiten Januarwoche die Marke von 9.000 Punkten. Auch die befragten Analysten sehen den SMI weiterhin auf Erfolgskurs. 49,9 Prozent gehen davon aus, dass der SMI ansteigen wird, 18,8 Prozent erwarten einen Rückgang. Der entsprechende Indikator ist auf 31,1 Punkte gestiegen (+4,8 Punkte im Vergleich zum Vormonat).

Die Spezialfrage bezog sich dieses Mal auf die Einschätzung bezüglich der Entwicklung des US Häusermarktes 2007 und deren Konsequenzen auf den privaten Konsum in den USA sowie potentielle Einflüsse auf die Schweizer Wirtschaft. Details finden sich in der neuesten Ausgabe des Finanzmarktreport Schweiz (Link siehe unten).

Ablauf der Umfrage und Methodologie

Eine analoge monatliche Untersuchung für Deutschland führt das ZEW seit 1991 durch. Ziel der Schweizer Umfrage ist, Indikatoren sowohl für das allgemeine Konjunkturklima der Schweiz als auch für den schweizerischen Dienstleistungssektor zu entwickeln.

Im Einzelnen werden die Finanzexperten nach ihren mittelfristigen Erwartungen befragt, die sie für wichtige internationale Finanzmärkte hinsichtlich der Entwicklung der Konjunktur, der Inflationsrate, der kurz- und langfristigen Zinsen, der Aktienkurse und der Wechselkurse haben. Zusätzlich werden die Finanzexperten um eine Einschätzung der Ertragslage der Unternehmen in folgenden schweizerischen Dienstleistungsbranchen gebeten: Banken, Versicherungen, Konsum/Handel, Telekommunikation und Gesamt.

Die Salden ergeben sich aus der Differenz der positiven und der negativen Anteile. Die Werte in Klammern zeigen die Veränderungen jedes Indikators gegenüber dem Vormonat.

Detaillierte Ergebnisse enthält der "Finanzmarktreport Schweiz", der monatlich in englischer Sprache erscheint (Link siehe unten).

Ansprechpartner

Gunnar Lang (ZEW), Telefon: +49/621/1235-372, E-Mail: lang@zew.de  

Thomas Herrmann (CS), Telefon: +41/44/333-5062, E-Mail: thomas.herrmann@credit-suisse.com